Zuzahlung eines Arbeitnehmers zu den Anschaffungskosten eines Firmenwagens

Haas - Steuernachrichten

Zuschüsse eines Arbeitnehmers zu den Anschaffungskosten eines auch privat genutzten Dienstwagens mindern den Sachbezug – jeweils bis auf Null. Ist die Nutzungsdauer ausdrücklich vereinbart ist eine gleichmäßige Verteilung möglich – so das Niedersächsische FG. Das letzte Wort hat der BFH.

Können Arbeitnehmer-Zuzahlungen zu den Anschaffungskosten eines Firmenwagens bei der Ermittlung des privaten Nutzungswerts gleichmäßig auf die Nutzungsdauer des Kfz verteilt werden? Mit dieser Frage hat sich das FG Niedersachsen beschäftigt.

Zahlt der Arbeitnehmer einen Zuschuss zu den Anschaffungskosten des Firmenwagens, mindert dieser den Nutzungswert im Zahlungsjahr. Ein über den Nutzungswert hinausgehender Zuzahlungsbetrag kann entsprechend in den Folgejahren auf den jeweiligen Nutzungswert für das jeweilige Fahrzeug angerechnet werden, R 8.1 Abs. 9 Nr. 4 Sätze 2 und 3 LStR.

Die geleistete Zuzahlung mindert also nach Auffassung der Finanzverwaltung den Nutzungswert nicht nur im Zahlungsjahr, sondern auch in den darauffolgenden Kalenderjahren, allerdings in jedem Jahr bis auf 0 EUR. Eine gleichmäßige Verteilung der Zuzahlung über die Nutzungszeit lässt die Finanzverwaltung nicht zu.

Beispiel:

Arbeitnehmer A leistet im Januar 2018 eine einmalige Zuzahlung für die Anschaffung eines neuen Firmenwagens i. H. v. 10.000 EUR an seinen Arbeitgeber. A kann das Kfz auch privat nutzen. In dem Kfz-Überlassungsvertrag wird geregelt, dass die Zuzahlung für einen Zeitraum von 8 Jahren (= 96 Monate) geleistet wird. Der Bruttolistenpreis des Kfz beträgt 35.000 EUR, der geldwerte Vorteil wird nach der 1-Prozent-Methode ermittelt.

Bei Anwendung der R 8.1 Abs. 9 Nr. 4 Satz 2 LStR ist der Zuzahlungsbetrag von 10.000 EUR bereits im 3. Jahr aufgebraucht.

Der geldwerte Vorteil im Jahr 2018 beträgt rechnerisch 4.200 EUR (35.000 EUR x 1 % x 12 Monate = 4.200 EUR). Unter Anrechnung der Zuzahlung reduziert sich der steuerpflichtige geldwerte Vorteil auf 0 EUR. Es verbleibt zum 31.12.2018 ein noch anzurechnender Zuschuss i. H. v. 5.800 EUR (10.000 EUR - 4.200 EUR). Im Jahr 2019 werden ebenfalls 4.200 EUR angerechnet, im 3. Jahr (2020) verbleiben noch 1.600 EUR, ab 2021 wäre der gesamte geldwerte Vorteil zu versteuern.

Das FG Niedersachsen lässt - entgegen der Auffassung der Finanzverwaltung - die gleichmäßige Verteilung der in einer Summe erfolgten Zuzahlung eines Arbeitnehmers zur Anschaffung eines ihm auch zur privaten Nutzung überlassenen betrieblichen Kfz auf die Nutzungsdauer des Kfz zu. Dies gilt aber nur, wenn zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer die Dauer der Nutzungsüberlassung ausdrücklich vereinbart wurde.

Demnach wäre die Zuzahlung i. H. v. 10.0000 EUR auf die vereinbarte Nutzungsdauer von 8 Jahren zu verteilen, so dass vom geldwerten Vorteil jährlich 1.250 EUR abzuziehen sind. Folge: Die Zuzahlung kann auf einen längeren Zeitraum verteilt werden.

Gegen das Urteil des FG Niedersachsen wurde nun Revision beim BFH eingelegt.

Hinweis:

Wurde eine Zuzahlung geleistet, aber keine Vereinbarung zur voraussichtlichen Nutzungsdauer oder zu einer Verteilung der Zuzahlung getroffen, ist nach Auffassung des FG Niedersachsen der Anwendungsbereich der R 8.1 Abs. 9 Nr. 4 Satz 2 LStR eröffnet.

Grundsätzlich ist bei der Fahrtenbuchmethode ebenso eine Anrechnung des Zuschusses auf den Nutzungswert möglich wie bei der 1- Prozent-Methode. Dies gilt aber nur dann, wenn die Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der Abschreibung nicht bereits um die Zuzahlung des Arbeitnehmers gemindert wurde, R 8.1 Abs. 9 Nr. 4 Satz 2 Halbsatz 2 LStR.

Fundstelle

FG Niedersachsen, Urteil vom 16.04.2018, 9 K 162/17, Revision eingelegt, Az. des BFH VI R 18/18

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