Zu den Voraussetzungen eines eigenen Hausstandes im Haus der Eltern

Einkommensteuer

Ein eigener Hausstand liegt auch dann vor, wenn man sich an den Hauskosten beteiligt und sich Bad und Küche als Gemeinschaftseinrichtungen mit dem Hauseigentümer teilt.

Sachverhalt
Der im Streitjahr 2009 27 Jahre alte K bewohnte das ausgebaute Dachgeschoss mit einer Wohnfläche von ca. 30 qm im Haus seiner Mutter. Die Küche und das Badezimmer befinden sich im Erdgeschoss. Dem Kläger stehen im Dachgeschoss eine Spüle, ein Kühlschrank, eine Mikrowelle und ein Wasserkocher zur Verfügung. K hat zwar keine Miete entrichtet, sich aber an den Hauskosten beteiligt sowie Hausreparaturen und Gartenarbeiten erledigt. Nach Beendigung seines Studiums nahm er im Streitjahr eine Beschäftigung auf und mietete eine ca. 45 qm große Wohnung am Beschäftigungsort an. Das Finanzamt erkannte die geltend gemachten Kosten für eine doppelte Haushaltsführung nicht an, weil er im Haus seiner Mutter keinen eigenen Hausstand unterhalte.

Ergebnis
Ein alleinstehender Arbeitnehmer, der vergleichbar mit einer Wohngemeinschaft, im ausgebauten Dachgeschoss seines Elternhauses wohnt und sich an den Hauskosten sowie den anfallenden Reparaturarbeiten beteiligt, unterhält einen eigenen Hausstand auch dann, wenn er sich Gemeinschaftseinrichtungen mit seiner im Haus lebenden Mutter teilt.

Begründung
K nutze zwar das Bad und die Küche gemeinsam mit seiner Mutter, jedoch von dieser unabhängig und eigenständig im Sinne einer „Wohngemeinschaft“.

Durch die vorhandene Einrichtung des Dachgeschosses sei dort eine gewisse Grundversorgung sichergestellt. Eine bauliche Abgeschlossenheit der Räume sei ebenso wenig erforderlich, wie der Abschluss eines Mietvertrages. Als Indiz für den eigenen Hausstand sprächen vielmehr die Beteiligung an den Hauskosten und die Übernahme von Reparatur- und Gartenarbeiten durch den Kläger. Zudem sei die Wohnung am Beschäftigungsort nur unwesentlich größer als das Dachgeschoss im Elternhaus.

Hinweis
Das Urteil liegt auf der Linie der tendenziell großzügiger werdenden Rechtsprechung des BFH zu den Voraussetzungen der Annahme eines eigenen Hausstandes, BFH-Urteil vom 16.01.2013 VI R 46/12, BStBl 2013 II S. 627, geht aber insofern darüber hinaus, als hier auch essentielle Bestandteile einer Wohnung (Küche, Bad) nur zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung standen.

Die Entscheidung ist zum Rechtsstand des Streitjahres 2007 ergangen. Nach der seit 2014 geltenden Gesetzesfassung können Mehraufwendungen für eine berufsbedingte doppelte Haushaltsführung im Inland bis zu 1.000 EUR pro Monat berücksichtigt werden. Das Vorliegen eines eigenen Hausstandes setzt allerdings neben dem Innehaben einer Wohnung aus eigenem Recht als Eigentümer oder Mieter bzw. aus gemeinsamen oder abgeleitetem Recht als Ehegatte, Lebenspartner, Lebensgefährte oder Mitbewohner nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 3 EStG auch eine finanzielle Beteiligung an den Kosten der Lebensführung (laufende Kosten der Haushaltsführung) voraus. Es genügt nicht, wenn der Arbeitnehmer z.B. im Haushalt der Eltern lediglich ein oder mehrere Zimmer unentgeltlich bewohnt oder wenn ihm eine Wohnung im Haus der Eltern unentgeltlich zur Nutzung überlassen wird. Die finanzielle Beteiligung an den Kosten der Haushaltsführung ist darzulegen und kann auch bei volljährigen Kindern, die bei ihren Eltern oder einem Elternteil wohnen, nicht generell unterstellt werden, BMF-Schreiben vom 30.09.2013 IV C 5 - S 2353/13/10004, Rdnr. 94, BStBl 2013 I S. 1279.

Fundstelle
FG Münster, Urteil vom 12.03.2014 6 K 3093/11 E, BeckRS 2014 95047

zur Übersicht