Werbungskosten bei unverschuldetem Leerstand eines Vermietungsobjekts?

Haas - Steuernachrichten

Ist eine Vermietung aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht möglich und kann die Immobilie deshalb nicht in einen vermietungsfähigen Zustand versetzt werden, kann dennoch eine fehlende Einkünfteerzielungsabsicht unterstellt werden.

Immer wieder führt der Leerstand von Vermietungsobjekten zu Diskussionen und Streitereien mit dem Finanzamt.

Jetzt hatte der BFH zu dieser Thematik zu entscheiden. Im Streitfall erwarben die Kläger im Jahr 1993 eine Eigentumswohnung in einem Gebäude, bestehend aus sechs Wohnungen. Bis auf eine Wohnung waren diese seit dem Jahr 1999 unbewohnbar.

Im Jahr 1999 beschloss die Eigentümergemeinschaft notwendige Instandsetzungsarbeiten, welche jedoch weder in 2000 noch in 2001 vorgenommen werden konnten, da zum einen die Sonderumlage nicht von allen Eigentümern entrichtet wurde und zum anderen die Hausverwaltung Geld veruntreut hatte. Selbst im Jahr 2005 waren aufgrund ungeklärter Eigentumsverhältnisse erst die Hälfte der erforderlichen Arbeiten ausgeführt worden. Ein bereits im Jahr 2008 beauftragter Makler konnte die seit 1999 leer stehende Wohnung trotz mehrjähriger Bemühungen nicht vermieten, da sich die gesamte Immobilie in marodem und desolatem Zustand befand.

Der BFH folgte der Entscheidung des Finanzamtes und des FG und versagte den Werbungskostenabzug wegen fehlender Einkünfteerzielungsabsicht.

Nach Ansicht des BFH entfiel die Einkünfteerzielungsabsicht, da sich die Wohnung in einem nicht vermietbaren Zustand befand und der Kläger nicht über die Möglichkeiten verfügte, die Vermietung der Wohnung zu erreichen, selbst wenn er an den Umständen keine Schuld hatte. Die vorgenommenen Vermietungsbemühungen des Klägers konnten aufgrund des Zustands der Immobilie nicht ernsthaft und nachhaltig sein.     

Fundstelle

BFH-Urteil vom 31.01.2017 IX R 17/16

 

 

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