Was dem Arzt der Kittel, ist dem Anwalt der Anzug?

Ein in einer Wirtschaftssozietät angestellter Rechtsanwalt hatte in seiner Einkommenssteuererklärung Aufwendungen für Businesskleidung als Werbungskosten geltend gemacht. Ist dies ein Weg auch für Steuerberater?

Nein, sagt das Finanzgericht Hamburg.
Auch der Rechtsanwalt darf seine Aufwendungen für Businesskleidung nicht als Werbungskosten gem. § 9 EStG qualifizieren.

Die private Nutzung der Anzüge, die zur üblichen Herrenmode zählen, ist nicht ausgeschlossen, auch wenn der Steuerpflichtige sie nur zum beruflichen Gebrach anschaffte.
Sie sind daher der allgemeinen Lebensführung zuordnen, deren Kosten wegen des objektiven Nettoprinzips nach § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG auch dann nicht abzugsfähig sind, wenn sie zur Förderung der Tätigkeit erfolgen. Sie sind vielmehr durch die Vorschriften zur Berücksichtigung des steuerlichen Existenzminimums bereits pauschal abgegolten.

Als Werbungskosten nach § 9 Abs. 1 EStG gilt nur, was durch die Einkunftserzielung veranlasst wurde. Laut Finanzgericht stehen die Aufwendungen hier in keinem ausreichenden Zusammenhang mit der steuerrelevanten Erwerbsleistung. Auch die Businesskleidung eines Anwalts dient dem menschlichen Bedürfnis nach Kleidung. Die Aufwendungen dafür sind daher als Privataufwendungen zum Einkommensverwendungsbereich zu zählen.

tl;dr:  Businesskleidung ist allgemein der Herrenmode zuzurechnen und eben nicht als typische Berufskleidung nach § 9 EStG anziehbar.  

Fundstelle 
Finanzgericht Hamburg, Urteil vom 26.03.2014 6 K 231/12

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