Wann ist ein volljähriges Kind steuerlich zu berücksichtigen?

Einkommensteuer

Ein volljähriges Kind ist bis zum Abschluss seiner erstmaligen Berufsausbildung oder seines Erststudiums steuerlich zu berücksichtigen. Eine weiterführende Ausbildung kann zur Erstausbildung zählen, wenn das angestrebte Berufsziel noch nicht erreicht ist und ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht.

In seinem Schreiben vom 08.02.2016 hat das BMF ausführlich dargestellt, wie volljährige Kinder ab 2012 zu berücksichtigen sind. 

Die eigenen Einkünfte und Bezüge eines volljährigen Kindes sind ab 2012 für die steuerliche Berücksichtigung unbeachtlich. Ein volljähriges Kind ist bis zum Abschluss seiner erstmaligen Berufsausbildung oder seines Erststudiums zu berücksichtigen, wenn es das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Nach Abschluss der Erstausbildung wird ein volljähriges Kind nur noch berücksichtigt, wenn eine der Voraussetzungen gem. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 EStG erfüllt ist und das Kind keiner hindernden Erwerbstätigkeit nachgeht. Für Kinder, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und als arbeitssuchend bei der Agentur für Arbeit gemeldet sind (§ 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 EStG) sowie für behinderte Kinder, die gem. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 EStG zu berücksichtigen sind, gilt diese Regelung nicht.

Der Gesetzgeber geht davon aus, dass ein volljähriges Kind nach Abschluss seiner erstmaligen Berufsausbildung oder seines Erststudiums in der Lage ist, sich selbst zu unterhalten. D.h. das Kind, das bis zur Vollendung des 21. Lebensjahrs nicht als arbeitssuchend gemeldet oder behindert ist, ist nicht mehr zu berücksichtigen. Widerlegt werden kann die Vermutung, in dem ein Nachweis erbracht wird, dass das Kind noch weiter für den Beruf ausgebildet wird und keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Bei einer regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von 20 Stunden, einem Ausbildungsdienstverhältnis oder einer geringfügigen Beschäftigung handelt es sich um eine unschädliche Erwerbstätigkeit.

Ist das Kind fähig einen Beruf aufzunehmen, dann ist die erstmalige Berufsausbildung oder das Erststudium abgeschlossen. Werden später weitere Ausbildungen aufgenommen, z.B. Meisterausbildung nach mehrjähriger Berufstätigkeit, liegt eine Zweitausbildung vor. Eine weiterführende Ausbildung kann Teil der Erstausbildung sein, wenn das Kind sein angestrebtes Berufsziel noch nicht erreicht hat. Entscheidend ist, ob ein enger sachlicher Zusammenhang besteht und ob die weiterführende Ausbildung in einem engen zeitlichen Zusammenhang durchgeführt wird. Betrifft die weiterführende Ausbildung z.B. dieselbe Berufssparte oder denselben Fachbereich, ist ein sachlicher Zusammenhang gegeben. Wird die weitere Ausbildung zum nächstmöglichen Zeitpunkt aufgenommen, ist der zeitliche Zusammenhang erfüllt. In ihrem Schreiben führt die Finanzverwaltung explizit auf, dass ein Masterstudiengang, der zeitlich und inhaltlich auf den vorangegangenen Bachelorstudiengang abgestimmt ist, als Teil der Erstausbildung zählt. Von einem engen sachlichen Zusammenhang ist bei den sog. konsekutiven Masterstudiengängen auszugehen. Die Finanzverwaltung schließt sich somit der BFH-Rechtsprechung (Urteil vom 03.09.2015) an.

Das BMF klärt in seinem Schreiben viele weitere Einzelfragen, z.B. Wechsel und Unterbrechung des Studiums, mehrere Studiengänge, aufeinander folgende Abschlüsse unterschiedlicher Hochschultypen, Promotion, und stellt ebenfalls dar, wann eine schädliche Erwerbstätigkeit vorliegt.

Die Grundsätze des BMF-Schreibens sind ab dem Veranlagungszeitraum 2012 anzuwenden. Die Regelungen, wann eine erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium abgeschlossen ist, sowie die Ausführungen zur Erwerbstätigkeit gelten ab dem Veranlagungszeitraum 2015, sie sind aber auf alle noch offene Fälle anzuwenden.     

Fundstelle
BMF-Schreiben vom 08.02.2016 IV C 4 - S 2282/07/0001-01

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