Vorteile und steuerliche Behandlung von Honorarberatung

Haas - Steuernachrichten

Umfragen zufolge gehört die Finanzbranche zu den Branchen mit dem geringsten Ansehen. Das ist ein hausgemachtes Problem. Und zwar nicht nur durch die Finanzkrise 2008/2009, in der ein immenser volkswirtschaftlicher Schaden entstanden ist, sondern auch weil tagtäglich schlechte Anlage- und Versicherungsprodukte vermittelt werden. Ein aktuelles Beispiel ist die Pleite der P&R Gruppe mit einem Schaden von etwa drei Mrd. Euro. Die Ursache ist relativ einfach und logisch: Hohe Provisionen für Vermittler und Gebühren für Produktgeber. Diese reißen ein immer größer werdendes Loch in den Vermögenswert, wie die nachfolgende Tabelle zeigt.

KostenartProdukt von Banken & Co.Produkt von Honorarberatern
Managementgebühren56.828 €15.047 €
Depotbankgebühren11.639 €15.047 €
Transaktionskosten30.411 €10.031 €
Marktbeeinflussungskosten19.037 €

gegen 0

   
Kapital nach 30 Jahren272.721 €419.115 €
   
Parameter: Fondssparen, 500 € Beitrag, 30 Jahre Laufzeit, Marktrendite 6 % p.a., Kosten Produkt Banken 3,1 % p.a., Kosten Produkt Honorarberater 0,8 % p.a., ohne Spekulationskosten, ohne Steuern, eigene Berechnung, zu Illustrationszwecken


Finanzberatung im Sinne des Verbrauchers gibt es tendenziell nicht, wenn die Vergütung von einer Dritten Partei abhängt. Es geht meist nur darum Produkte zu verkaufen, die dem Vermittler ordentlich Profit bescheren. So, als wenn man einen Steuerberater engagieren würde, der ausschließlich auf Basis von erwirkten Steuernachzahlungen durch das Finanzamt vergütet wird. Es muss demnach zu einer Nachzahlung kommen, damit es zu einer Vergütung kommt - der vermeintliche Berater muss Produkte verkaufen. Um die Vergütung höher ausfallen zu lassen, müsste der Steuerberater hohe Nachzahlungen auslösen - der Vermittler wählt Produkte mit hohen Provisionen.

Honorarberater hingegen erhalten keine Provisionen, sondern werden ausschließlich von dem Mandanten bezahlt, so wie man es u.a. von Steuerberatern kennt. Die Vergütung hängt einzig von der Beratung ab. Nur so hat der Verbraucher die Sicherheit, dass wirklich in seinem Sinne und vor allem ergebnisoffen beraten wird. Sollten Verträge existieren, die tatsächlich gut sind, kann dies ganz unproblematisch bestätigt werden, ohne dass die Vergütung aufs Spiel gesetzt wird. Möchte der Verbraucher Geld anlegen oder sparen, so kann der Honorarberater Zugang zu kostengünstigen, provisionsfreien und wissenschaftlich fundierten Produkten gewähren.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist Honorarberatung sogar steuerlich absetzbar. In welchen Fällen das möglich ist, zeigt die nachfolgende Tabelle.

Gegenstand der BeratungAbsetzbarkeit möglich (ja/nein)
Berufs-/Erwerbsunfähigkeitsversicherungja, wenn die Versicherung nur das Risiko versichert und kein Vermögen bildet.
Riester-, Rürup-Rente, betriebliche AVja
Betriebliche Konzeption von betrieblicher Altersvorsorgeja
Geldanlage privat (Depot)nein
Geldanlage betrieblich (Depot)ja
Vermögensmanagement privat (Depot)nein
Vermögensmanagement betrieblich (Depot)ja
Versorgungsanalysen – und Konzeptionnein, außer es besteht ein unmittelbarer Zusammenhang mit der Optimierung von Renteneinkünften.
  
Rechtsgrundlagen: BFH VIII R 29/10 vom 30.10.2001, BFH VIII B 44/10 vom 28.10.2010, BMF Schreiben vom 20.11.1997, BMF Schreiben vom 29.03.2007


Zum Autor

Stefan Kemmler ist Geschäftsführer der RHEINPLAN GmbH (www.rheinplan.finance) aus Köln. Sein Unternehmen gehört zu den aktuell knapp 200 Honorar-Finanzanlagenberatern in ganz Deutschland. Honorar-Finanzanlagenberater erhalten weder Provisionen noch sonstige Zuwendungen. Dies ist gesetzlich garantiert und sorgt somit für maximale Kundenorientierung.

Ein Hinweis zum Schluss

Dieser Text ist nicht als verbindliche Rechtsauskunft zu verstehen, sondern enthält die persönliche Meinung des Autors.

zur Übersicht