Vorsteuerabzug bei Holdinggesellschaften

Holding-Situationen gibt es nicht nur bei Großkonzernen. Auch ein Einzelunternehmer (rechtsformneutral) kann eine Holding bilden. Was es bei der Vorsteuer dann zu beachten gilt, lesen Sie hier.

Die Entscheidungen des BFH gelten für alle Holding Unternehmen, unabhängig von ihrer Rechtsform. Also auch für die natürliche Person „Holding“ (vgl. auch EuGH-Urteil vom 26.07.2015 C-108/14, C-109/14). Fragen der Organschaft sollen an dieser Stelle aufgrund der unterschiedlichen Rechts-auffassungen in Rechtsprechung und Literatur sowie Meinung der Finanzverwaltung zunächst außen vor bleiben.

FührungsholdingFinanzholding
Besteht die Aktivität der Holding ausschließlich im „Halten von Beteiligungen“, ist sie nicht Unternehmer im umsatzsteuerlichen Sinn. Sie ist nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt.Erbringt die Holding steuerbare Leistungen an alle Tochtergesellschaften, ist sie vollumfänglich Unternehmer und grundsätzlich zum Vorsteuerabzug berechtigt. Dies gilt nicht nur für Leistungsbezüge in direktem Zusammenhang mit ihren Dienstleistungen an die Tochter, sondern auch für Gemeinkosten.
Führt sie im wirtschaftlichen Bereich steuerfreie Leistungen aus, z.B. verzinsliche Darlehensgewährung (steuerfrei: § 4 Nr. 8 UStG) ist eine Option zu erwägen. 

Sog. gemischte Führungsholding

Erbringt die Holding nicht an alle Tochtergesellschaften steuerbare Leistungen, besteht auch ein sog. nichtwirtschaftlicher Bereich.

Vorsteuer aus Leistungsbezügen, die nur den nichtwirtschaftlichen Bereich betreffen, dürfen nicht abgezogen werden. Handelt es sich um Gemeinkosten, z.B. auch Kosten der Kapitalbeschaffung, muss die Vorsteuer nach einem sachgerechten Schlüssel aufgeteilt werden. Ein Wahlrecht zur Zuordnung von Gegenständen besteht nicht.

Aufteilungsmaßstab kann sein: 

  • Investitionsschlüssel,
  • Umsatzschlüssel,
  • anderer geeigneter Schlüssel.

Hinweis:  Die Beteiligung an der Grundstücks-GbR und Back-GmbH soll reine Finanzholding sein. Die Beteiligung an der GmbH & Co. KG soll Funktionsholding sein.

Fragen:

Was gilt, wenn der Bäcker sich im Einzelunternehmen einen Pkw kauft? Hat er jetzt einen wirtschaftlichen und einen nichtwirtschaftlichen Bereich? 
Antwort: Ja

Muss er die Vorsteuer aus dem Pkw-Kauf aufteilen? (§ 15 Abs. 4 UStG)
Antwort: Ja, ein Zuordnungswahlrecht besteht insoweit nicht.

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