Vorrangigkeit eines Verkaufspreises gegenüber dem Gutachtenwert

Haas - Steuernachrichten

Für die Bewertung einer Immobilie aus einer Erbschaft ist ein zeitnah erzielter Verkaufspreis vorrangig gegenüber dem Wert, der in einem Gutachten ermittelt wurde.

Im Urteilsfall kam es zu einer schnellen Abfolge von Erbfall, Gutachtenerstellung, Einholung der Vergleichswerte und der zeitnah zum Erbfall erfolgten Veräußerung des Objektes. Die Klägerin hatte ein Einfamilienhaus geerbt, für das nach § 183 BewG der Grundbesitzwert festzustellen war. Die Klägerin reichte dafür ein auf den Erbfall erstelltes Gutachten ein, was einen Wert von 220.000 EUR auswies. Eine Anfrage beim Immobilienpreis-Kalkulator des Gutachterausschusses von Seiten des Finanzamtes ergab einen Wert von 320.000 EUR. Das Finanzamt setzte diesen Wert fest, wogegen die Klägerin Einspruch einlegte. Ca. 10 Monate nach dem Erbfall verkaufte die Klägerin das Haus für 460.000 EUR. Da die K ihren Einspruch trotz Hinweis auf eine mögliche Verböserung nicht zurücknahm, korrigierte das Finanzamt in seiner Einspruchsentscheidung den Bedarfswert zu Ungunsten der K auf 460.000 EUR.

Fazit:

Stichtagsnahe Veräußerungen von Immobilien können den Ansatz des Gutachterwerts von Immobilien verhindern.

Fundstelle
FG Niedersachsen vom 06.09.2018, 1 K 68/17, DStRE 2019, 487

zur Übersicht