Vermietung eines häuslichen Arbeitszimmers - Einkünfte aus Gewerbebetrieb

Vermietung eines häuslichen Arbeitszimmers an den Auftraggeber

Haas - Steuernachrichten

Einkünfte aus der Vermietung eines häuslichen Arbeitszimmers an den Auftraggeber eines Gewerbetreibenden sind Einkünfte aus Gewerbebetrieb, wenn die Vermietung ohne den Gewerbebetrieb nicht denkbar wäre.

Die Klägerin war in einem Klinikum angestellte Sekretärin eines Professors und Chefarztes (G). Daneben erzielte sie Einkünfte aus Gewerbebetrieb, indem sie für G die im Rahmen von dessen Nebentätigkeit erstellten Gutachten schrieb, die Abrechnung der Nebentätigkeit wahrnahm und den Zahlungseingang kontrollierte. Diese Arbeiten erledigte sie in dem von den Klägern gemeinsam bewohnten Einfamilienhaus, in dem sich auch das Arbeitszimmer befand, das sie an G vermietet hatte.

In ihren Einkommensteuererklärungen für die Jahre 2005 bis 2008 erklärten die Kläger negative Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung hinsichtlich dieses Raumes. Sowohl das Finanzamt als auch das Finanzgericht lehnten die Berücksichtigung der erklärten Verluste ab.

Der BFH hat die Klage abgewiesen. Die formal als Vermietung gestaltete Vertragsbeziehung mit G führt nicht zu Einkünften der Kläger aus Vermietung und Verpachtung, sondern zu Einkünften (nur) der Klägerin aus Gewerbebetrieb gem. § 15 EStG.

Unstreitig stellt die Schreib- und Sachbearbeitertätigkeit der Klägerin eine Betätigung i.S.d. § 15 Abs. 2 EStG dar, aus der sie gewerbliche Einkünfte erzielt. Die Einkünfte aus dem Mietverhältnis sind Teil dieser Einkünfte. Als untrennbarer Bestandteil der gewerblichen Tätigkeit der Klägerin ist die Vermietung steuerlich ebenso zu qualifizieren wie diese.

Nach ständiger Rechtsprechung kann die Vermietung von Wohnraum nur gewerblich sein, wenn im Einzelfall besondere Umstände hinzutreten, nach denen die Betätigung des Vermieters als Ganzes gesehen das Gepräge einer selbständigen, nachhaltigen, vom Gewinnstreben getragenen Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr erhält, hinter der die bloße Nutzung des Mietobjekts als Vermögensanlage zurücktritt.

Ein solches Gepräge entsteht, wenn ein Mietvertrag so eng mit dem Gewerbebetrieb des Steuerpflichtigen verbunden ist, dass er ohne den Gewerbebetrieb nicht denkbar wäre und diesem nach dem gesamten Erscheinungsbild der Verhältnisse als unselbständiger Teil untergeordnet ist.

So verhält es sich im Streitfall. Ohne die Tätigkeit der Klägerin für deren Chefarzt wäre der Mietvertrag offensichtlich nicht abgeschlossen worden. Der Chefarzt sollte den Raum zwar formell entgeltlich mieten, ihn selbst aber - insoweit mietvertragsuntypisch - nicht nutzen.

Im Ergebnis hat der Chefarzt der Klägerin über die Miete einen Aufschlag für ihre Arbeit gezahlt.

 

Hinweis

Da das Arbeitszimmer nicht von dem privaten Wohnbereich klar abgegrenzt ist, kommt die Berücksichtigung der Kosten nicht in Betracht. Ein anteiliger Abzug der Kosten für derartige Teilflächen, die keine selbstständigen Arbeitszimmer sind (sog. "Arbeitsecke") findet nicht statt.

 

Fundstelle

BFH-Urteil vom 13.12.2016 X R 18/12 

 

 

zur Übersicht