Vergütung bei Dauertestamentsvollstreckung

Haas - Steuernachrichten

Die Aufwendungen für eine Dauertestamentsvollstreckung können Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung sein. Werden noch andere Einkünfte erzielt, ist die Vergütung aufzuteilen. Der BFH hat jetzt vorgegeben, wie diese Aufteilung vorzunehmen ist.

Die Kosten für eine auf Dauer angelegte Testamentsvollstreckung sind Werbungskosten oder Betriebsausgaben bei den aus dem Nachlass erzielten steuerbaren Einkünften.

Liegen verschiedene Einkunftsarten vor, muss die Vergütung aufgeteilt werden.

Im Streitfall war die Steuerpflichtige Alleinerbin ihrer verstorbenen Mutter. Im Nachlass befanden sich zwei vermietete Mehrfamilienhäuser und umfangreiches Kapitalvermögen. Die Erblasserin hatte Testamentsvollstreckung für die Dauer von 20 Jahren angeordnet und bestimmt, dass der Testamentsvollstrecker als Vergütung für jedes Jahr 1,5 % vom Bruttonachlass erhalten solle. Der Nachlass hatte im Zeitpunkt des Erbfalls einen Bruttowert von über 5 Mio. EUR. Davon entfielen 20 % auf den Grundbesitz und 80 % auf das Kapitalvermögen. Der Testamentsvollstrecker berechnete der Steuerpflichtigen von Anfang an monatlich 5.000 EUR.

Berechnet sich die Vergütung – wie im Streitfall - nach dem Bruttonachlass so ist eine Aufteilung nach der Höhe der Einkünfte ausgeschlossen. Auch eine Aufteilung nach dem Zeitaufwand kommt dann nicht in Betracht.

Die Aufteilung erfolgt nach dem Wert des Nachlasses – und zwar nach der Zusammensetzung des Nachlasses im jeweiligen Veranlagungszeitraum – und nicht nach der Zusammensetzung im Erbfall.

Beispiel:

Aufwendungen für die Dauertestamentsvollstreckung insgesamt 60.000 EUR im Jahr.

Vermögen am :

Immobilien Vermögen

Kapitalvermögen

Tag des Erbfalls

1.000.000 EUR

4.000.000 EUR

31.12.2016

3.000.000 EUR

2.000.000 EUR

31.12.2017

4.000.000 EUR

1.000.000 EUR

Werbungskosten:

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

Einkünfte aus Kapitalvermögen

2016

36.000 EUR

24.000 EUR

2017

48.000 EUR

12.000 EUR

Abzustellen ist auf die Verkehrswerte des im Nachlass befindlichen Vermögens. Ob stets auf die Zusammensetzung des Nachlasses am Ende des jeweiligen Veranlagungszeitraums oder auf seine über den Veranlagungszeitraum gewichtete Zusammensetzung abzustellen ist hängt von den Umständen im Einzelfall ab. Insbesondere auch davon, wie häufig und in welchem Umfang sich die Zusammensetzung des Nachlasses geändert hat. ggf. sind die Werte zu schätzen.

Fundstelle

BFH Urteil vom 08.11.2017 IX R 32/16

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