Veräußerung geerbter Flächen der Land- und Forstwirtschaft - § 166 BewG

Haas - Steuernachrichten

Werden land- und forstwirtschaftliche Flächen nach dem Erbfall veräußert, so sind diese für Zwecke der Erbschaftsteuer grundsätzlich mit dem Liquidationswert anzusetzen. Ein niedrigerer gemeiner Wert ist nach dem BewG nicht vorgesehen. Jetzt hat der BFH hierzu geurteilt.

Werden land- und forstwirtschaftliche Flächen vererbt, so sind die Grundbesitzwerte nach § 151 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BewG gesondert festzustellen, sofern diese Werte für die Erbschaftsteuer von Bedeutung sind.

Die Grundbesitzwerte betreffend wirtschaftliche Einheiten von land- und forstwirtschaftlichem Vermögen, werden nach den §§ 158 bis 175 BewG ermittelt und grundsätzlich mit dem Liquidationswert bewertet.

Wird also ein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb innerhalb von 15 Jahren nach dem Bewertungsstichtag veräußert, so erfolgt die Bestimmung des Liquidationswerts nach § 166 BewG. Zugrunde gelegt wird der zuletzt vor dem Bewertungsstichtag ermittelte Bodenrichtwert, welcher zur Berücksichtigung der Liquidations-kosten um 10 % vermindert wird.

Eine Bewertung von Grund und Boden mit einem niedrigeren gemeinen Wert ist nach den Vorschriften des BewG bei Betrieben der Land- und Forstwirtschaft nicht vorgesehen. Der BFH hat jetzt entschieden, dass der niedrigere gemeine Wert des Grund und Bodens dennoch angesetzt werden kann. Voraussetzung ist, dass der Steuerpflichtige nachweist, dass der gemeine Wert aufgrund Veräußerung der Flächen innerhalb kurzer Zeit nach dem Erbanfall wesentlich niedriger ist. Im Streitfall erfolgte die Veräußerung ca. sechs Monate nach dem Bewertungsstichtag und damit innerhalb eines Jahres nach dem maßgeblichen Zeitpunkt.

Achtung: Land- und forstwirtschaftliche Flächen, die zum Grundvermögen gehören, können nach § 198 BewG mit einem niedrigeren gemeinen Wert angesetzt werden. Voraussetzung ist, dass dieser durch einen zeitnah zum maßgeblichen Besteuerungsstichtag erzielten Kaufpreis nachgewiesen werden kann. Von einem zeitnah erzielten Kaufpreis geht der BFH aus, wenn dieser innerhalb eines Jahres vor oder nach dem Besteuerungszeitpunkt zustande gekommen ist.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 30.01.2019, II R 9/16

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