Steuervorteile von Riester und Rürup effizient nutzen

Haas - Steuernachrichten

Die staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukte Riester- und Rürup-Rente stehen seit Jahren in der Kritik. Zu Recht! Hohe Abschluss- und Vertriebskosten sowie laufende Verwaltungsgebühren beeinflussen die Rentabilität massiv. Bis Sparer ihre geleisteten Beträge quasi wieder zurück erhalten, dauert demzufolge sehr lange und setzt also eine hohe Lebenserwartung voraus. Die Förderung dient quasi dazu, dass die Unrentabilität nicht noch größer ist.

Doch es ist möglich, sich die staatlichen Subventionen effizient zu Nutze zu machen. Dies ist insofern einfach, indem Sparer nicht auf die konventionellen Produkte von Banken, Finanzvertrieben und Versicherungsvertretern, sondern auf provisionsfreie Produkte, die über Honorarberater zu beziehen sind, setzen.

Aber es kommt nicht nur auf die Kosten der Produkte an, sondern auch auf die Anlagestrategie des jeweiligen Produktes. Klassische Verträge leiden immens unter dem Niedrigzinsniveau. Über 80 % werden schließlich in festverzinsliche Wertpapiere investiert. Nennenswerte Renditen sind quasi ausgeschlossen. Daher sollten Sparer auf fondsgebundene Produkte setzen. Doch auch ist hier Vorsicht geboten. Meist werden entweder konzerneigene Fonds offeriert oder eben weitere aktiv gemanagete Fonds. Diese bieten jedoch auf Dauer keinen Mehrwert, da es insbesondere aufgrund der Effizienzmarkthypothese langfristig nicht möglich ist, den Markt zu übertreffen. Aus diesem Grunde ist Sparern zu empfehlen, einfach nur die weltweiten Marktrenditen abzuschöpfen. Allein durch die extreme Kostenreduktion ist eine höhere Rendite die Folge. Mit börsengehandelten Indexfonds (kurz: ETF) und Anlageklassenfonds ist dies leicht umsetzbar.

Bei fondsgebundenen Riester-Renten kommt noch eine Besonderheit hinzu. Hier besteht trotz sachwertorientierten Investments eine sog. Bruttobeitragsgarantie. Das bedeutet, dass zum Laufzeitende des Vertrages die eingezahlten Beiträge zur Verrentung zur Verfügung stehen müssen, unabhängig davon, wie sich die hinterlegten Fonds entwickelt haben. Daher müssen Banken und Versicherungen diese Garantie geben und entsprechend aufbauen. Das nächste Problem: obwohl es sich um fondsgebundene Produkte handelt, wird in den ersten Jahren überwiegend auch in risikoärmere Papiere, die keine üppigen Renditen erwirtschaften, investiert. Gerade bei Verträgen mit langer Restlaufzeit ist das ungünstig, da Aktienmarktrenditen verpasst werden. Man spricht von dem sogenannten Cash Lock. Es ist also essentiell, dass die Aktienquoten zu der individuellen Laufzeit des Vertrages passen.

Die aus der steuerlichen Abzugsfähigkeit (Riester: 2.100 € p.a. inkl. Zulagen für Erwachsene 175 € p.a., Kinder geboren vor 2008 185 € p.a., danach 300 € p.a. / Rürup 88 % von 24.305 € bzw. 48.610 € bei Verheirateten) freiwerdenden Beträge sollten konsequent reinvestiert werden. Schließlich unterliegen die staatlich geförderten Produkte der nachgelagerten Besteuerung. Hier bieten sich ebenfalls ETF und Anlageklassenfonds an. Über ein reines Investmentdepot bei einer Bank behält man sich höchste Flexibilität, die bei den thematisierten Produkten arg eingeschränkt ist.

Handlungsempfehlung:

  1. provisionsfreie und kostengünstige Produkte wählen
  2. fondsbasierte Produkte wählen
  3. ETFs und Anklageklassenfonds wählen
  4. Aktienquote entsprechend der Laufzeit prüfen
  5. Steuerersparnis konsequent reinvestieren

Bestehende Produkte sollten überprüft werden und bei Bedarf gewechselt werden. Bei Riester gibt es den Vorteil, dass das vorhandene Kapital des Altanbieters auf den Neuanbieter steuer- und zulagenunschädlich übertragen werden kann.

 

Zum Autor:

Stefan Kemmler ist Geschäftsführer der RHEINPLAN GmbH (www.rheinplan.finance) aus Köln. Sein Unternehmen gehört zu den aktuell knapp 200 Honorar-Finanzanlagenberatern in ganz Deutschland. Honorar-Finanzanlagenberater erhalten weder Provisionen noch sonstige Zuwendungen. Dies ist gesetzlich garantiert und sorgt somit für maximale Kundenorientierung.


Ein Hinweis zum Schluss:

Dieser Text ist nicht als verbindliche Rechtsauskunft zu verstehen, sondern enthält die persönliche Meinung des Autors.

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