Steuerliche Behandlung von Arbeitgeberdarlehen

Buchhaltung und Bilanzierung

Zinsvorteile aus unverzinslichen oder zinsverbilligten Arbeitgeberdarlehen sind Sachbezüge. Eine Versteuerung muss erfolgen, wenn das noch nicht getilgte Darlehen am Ende des Lohnzahlungszeitraums den Betrag von 2.600 EUR übersteigt. Die Bewertung des Zinsvorteils erfolgt gem. § 8 Abs. 2 EStG bei z.B. Arbeitnehmern im Einzelhandel und gem. § 8 Abs. 3 Satz 1 EStG z.B. bei einem Bankangestellten.

Überlässt ein Arbeitgeber oder ein Dritter aufgrund eines Dienstverhältnisses einem Arbeitnehmer Geld und liegt dem ein Darlehnsvertrag zu Grunde, liegt ein Arbeitgeberdarlehen vor. Wird das Darlehen unverzinslich oder zu verbilligten Zinsen gewährt, erhält der Arbeitnehmer einen Zinsvorteil, der zu versteuern ist. Reisekostenvorschüsse, vorschüssig gezahlter Auslagenersatz, Lohnabschläge und Lohnvorschüsse sind keine Arbeitgeberdarlehn. Im öffentlichen Dienst gezahlte Gehaltsvorschüsse sind Arbeitgeberdarlehen.

Mit BMF-Schreiben vom 29.05.2015 hat die Finanzverwaltung ihre Verwaltungsanweisung zur Besteuerung der Zinsvorteile aus unverzinslichen und zinsverbilligten Arbeitgeber neu geregelt.

Der Zinsvorteil aus dem Arbeitgeberdarlehen ist zu ermitteln und als geldwerter Vorteil zu versteuern. Die Ermittlung erfolgt entweder nach § 8 Abs. 2 EStG, z.B. bei Arbeitnehmern im Einzelhandel oder nach § 8 Abs. 3 Satz 1 EStG z.B. bei einem Bankangestellten. Wird das Darlehen vom Arbeitgeber zum marktüblichen Zinssatz gewährt, liegt kein steuerpflichtiger Vorteil beim Arbeitnehmer vor. Eine Versteuerung der Zinsvorteile erfolgt, wenn die noch nicht getilgten Darlehen am Ende des Lohnzahlungszeitraums die Summe von 2.600 EUR übersteigen.

Beispiel
Zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird ein Darlehnsvertrag über 2.000 EUR geschlossen. Das Darlehen wird zinslos gewährt. Die Zinsvorteile, die der Arbeitnehmer aus dem unverzinslichen Darlehen hat, muss er nicht als geldwerten Vorteil versteuern, da die Freigrenze von 2.600 EUR mit dem Darlehnsbetrag am Ende des Lohnzahlungszeitraumes nicht überschritten wird.

Bei der Bewertung nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG ist der Sachbezug mit dem um übliche Preisnachlässe geminderte übliche Endpreis am Abgabeort anzusetzen. Ist der Zinssatz mit dem marktüblichen Zinssatz (Maßstabszinssatz) vergleichbar, ist von einem üblichen Endpreis auszugehen. Dieser kann sich aus dem Angebot eines Kreditinstituts ergeben. Es ist der pauschale Abschlag von 4 % nach R 8.1 Abs. 2 Satz 3 LStR vorzunehmen. Als üblicher Endpreis kann auch der Zinssatz angesetzt werden, der für ein vergleichbares Darlehen übers Internet den Endverbrauchern angeboten wird, wie z.B. bei Internetangeboten von Direktbanken. In diesem Fall wird der pauschale Abschlag von 4 % nicht angewendet.

Der Arbeitnehmer kann im Rahmen seiner Einkommensteuerveranlagung den Zinsvorteil mit dem günstigeren Wert, der über das Internet angeboten wird, vornehmen. Hierzu muss ein Nachweis erbracht werden, bspw. Ausdruck aus dem Internet-Vergleichsportal. Es muss ein enger zeitlicher Zusammenhang zur Gewährung des Arbeitgeberdarlehns bestehen. Angebote bis zu 10 Tage vor Kreditanfrage beim Arbeitgeber und bis zu 10 Tage nach Vertragsabschluss des Arbeitgeberdarlehns sind nicht zu beanstanden.

Eine Bewertung nach § 8 Abs. 3 EStG kann erfolgen, wenn der Arbeitgeber Darlehen gleicher Art überwiegend an betriebsfremde Dritte gewährt und für den Zinsvorteil keine Pauschalbesteuerung nach § 40 EStG vorgenommen wird. Als Endpreis gilt grundsätzlich der Preis, der laut Preisaushang des Kreditinstituts angegeben ist. Es sind durchschnittlich gewährte Preisnachlässe zu berücksichtigen. Von dem Endpreis nach Abzug eventueller Preisnachlässe ist ein Abschlag von 4 % gem. § 8 Abs. 3 Satz 1 EStG vorzunehmen. Von dem jährlichen Zinsvorteil ist der Rabattfreibetrag gem. § 8 Abs. 3 Satz 2 EStG i.H.v. 1.080 EUR abzuziehen.

Der Arbeitnehmer kann im Rahmen seiner Einkommensteuerveranlagung die Bewertung des Zinsvorteils gem. § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG wählen. Er ist nicht an die Bewertung des Arbeitgebers gebunden. Der Arbeitnehmer muss lediglich den Endpreis nachweisen, den der Arbeitgeber beim Lohnsteuerabzug zu Grunde gelegt hat.

Wird der Zinsvorteil gem. § 8 Abs. 2 EStG ermittelt, kann der Arbeitgeber die Pauschalversteuerung gem. § 40 Abs. 1 Satz 1 EStG vornehmen. Die Zinsvorteile gelten als sonstige Bezüge. Auch eine Pauschalversteuerung nach § 37b EStG ist möglich. Weder die Pauschalversteuerung nach § 40 Abs. 1 EStG noch nach § 37b EStG ist in den Fällen des § 8 Abs. 3 EStG zulässig.

Die Zinsvorteile sind bei der Prüfung der monatlichen Freigrenze von 44 EUR (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG) für Sachbezüge mit einzubeziehen.

Als Zeitpunkt des Zuflusses ist der üblicherweise festgelegte Fälligkeitstermin anzusehen. Dieser kann mit Fälligkeit der Tilgungsrate angenommen. Ist das Darlehen ein endfälliges Darlehen gilt das was zwischen den Beteiligten vereinbart wurde.  

Fundstelle
BMF-Schreiben vom 19.05.2015 IV C 5 - S 2334/07/0009

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