Steuererklärungen des Erblassers: Abzugsfähigkeit von Steuerberatungskosten

Bewertungsgesetz und Erbschaftsteuer

Steuerberatungskosten im Zusammenhang mit den Steuererklärungen des Erblassers können nur dann als Nachlassverbindlichkeiten in der Erbschaftsteuererklärung geltend gemacht werden, wenn es sich um Erblasserschulden handelt. Hier kommt es darauf an, wer den Steuerberater beauftragt hat.

Nachlassverbindlichkeiten i.S.d. § 10 Abs. 5 ErbStG sind:

  1. Die vom Erblasser herrührenden Schulden, soweit sie nicht mit einem zum Erwerb gehörenden Gewerbebetrieb, Anteil an einem Gewerbebetrieb, Betrieb der Land- und Forstwirtschaft oder Anteil an einem Betrieb der Land- und Forstwirtschaft in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen und bereits bei der Bewertung der wirtschaftlichen Einheit berücksichtigt worden sind - die so genannten Erblasserschulden,
  2. Verbindlichkeiten aus Vermächtnissen, Auflagen und geltend gemachten Pflichtteilen und Erbersatzansprüchen,
  3. die Kosten der Bestattung des Erblassers, die Kosten für ein angemessenes Grabdenkmal, die Kosten für die übliche Grabpflege mit ihrem Kapitalwert für eine unbestimmte Dauer sowie die Kosten, die dem Erwerber unmittelbar im Zusammenhang mit der Abwicklung, Regelung oder Verteilung des Nachlasses oder mit der Erlangung des Erwerbs entstehen.

Die obersten Finanzbehörden der Länder haben mit Schreiben vom 11.12.2015 bekannt gegeben, wie mit Steuerberatungskosten zu verfahren ist, die im Zusammenhang mit den Steuererklärungen des Erblassers stehen.

Sie stellen keine Kosten zur Erlangung des Erwerbs oder Nachlassregelungskosten i.S.d. § 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG dar.

Hatte der Verstorbene jedoch bereits zu Lebzeiten einen Steuerberater mit der Erstellung seiner Einkommensteuererklärungen beauftragt, so sind die Steuerberatungskosten als Erblasserschulden nach § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG abzugsfähig. Dies gilt selbst bei einer über den Tod hinausgehenden Beauftragung, da der Steuerberater in diesem Falle ein Dauermandat innehatte. Voraussetzung ist, dass die Erben dieses Mandatsverhältnis nicht gekündigt haben.

Wird der Steuerberater jedoch erst nach dem Tod des Erblassers von dessen Erben beauftragt, so liegen keine Erblasserschulden und damit keine abzugsfähigen Verbindlichkeiten vor. Denn in diesem Fall werden die Kosten vom Erben und nicht vom Verstorbenen verursacht.

Diese Grundsätze gelten ebenso, wenn der Erbe erkennt, dass die vom Erblasser abgegebenen Steuererklärungen unvollständig oder unrichtig sind. Denn er hat als Gesamtrechtsnachfolger die Verpflichtung, eine Berichtigung herbeizuführen. 

Fundstelle
Oberste Finanzbehörden der Länder vom 11.12.2015 S 3810, BStBl 2015 I S. 1028

zur Übersicht