Spekulieren Ihre Mandanten mit Gold?

Einkommensteuer

Dann sollten Sie darauf achten, dass Gewinne aus Goldlieferungen nicht zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören. Sie stellen auch nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist keine steuerbaren Einnahmen dar. Der BFH widersprach jetzt in zwei Urteilen der Auffassung von Finanzamt, Finanzgericht und Bundesministerium der Finanzen.

Goldgeschäfte erfreuen sich unter den Kapitalanlegern seit einiger Zeit wachsender Beliebtheit. Insofern gewinnt die steuerliche Beurteilung diverser Anlageformen mit Gold oder anderen Rohstoffen zunehmend an Bedeutung. Der Lieferung von Gold wird der Verkauf von Inhaberschuldverschreibungen gleichgesetzt, die einen Anspruch auf die tatsächliche Auslieferung von Gold beinhalten. Grundsätzlich sind Gewinne aus dem Erwerb und der späteren Veräußerung oder Einlösung von Inhaberschuldverschreibungen nach Ansicht des BFH als sonstige Veräußerungsgeschäfte i.S.d. § 23 EStG zu beurteilen. Erfolgt die Veräußerung nach Ablauf eines Jahres, liegen nicht steuerbare Einnahmen vor.

Im vorliegenden Fall erwarb der Steuerpflichtige Inhaberschuldverschreibungen mit einem Anspruch auf die Lieferung von Gold. Eine Kapitalauszahlung war ausgeschlossen. In seinen Entscheidungen führte der BFH aus, dass Ansprüche auf die Lieferung von Sachleistungen keine Kapitalforderungen gem. § 20 Abs. 2 Nr. 7 EStG darstellen. Unerheblich ist, dass die Wertpapiere an der Börse veräußert werden können. Der der Anspruch auf die  Lieferung von Gold wird auch nicht dadurch zu einer Kapitalforderung, dass die Wertpapiere an der Börse gehandelt werden können. Letztlich setzt der BFH den Erwerb sowie die Einlösung oder den Verkauf von Inhaberschuldverschreibungen dem unmittelbaren Erwerb oder Verkauf physischen Goldes gleich.

Gem. BMF-Schreiben vom 09.10.2012, 953, Rz 57 handelt es sich bei Inhaberschuldverschreibungen um Zertifikate. Im Falle der Veräußerung oder Einlösung von Inhaberschuldverschreibungen, die einen Lieferanspruch auf Gold oder einen anderen Rohstoff verbriefen und durch Gold oder einen anderen Rohstoff in physischer Form nicht gedeckt sind, sind die Einnahmen gemäß BMF Einkünfte aus Kapitalforderungen i.S.d. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG. Entsprechendes gilt bei verbrieften Ansprüchen, die börsenfähige Wertpapiere darstellen, auch wenn der Lieferanspruch in physischer Form gedeckt ist. 

Fundstelle
BFH-Urteile vom 12.05.2015 VIII R 35/14 und VIII R 4/15, jeweils veröffentlicht am 02.09.2015

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