Spekulationsgewinn bei Ferienwohnung?

Haas - Steuernachrichten

Der Verkauf eines Ferienhauses innerhalb der zehnjährigen Behaltensfrist führt zu einem steuerpflichtigen Spekulationsgewinn nach § 23 EStG. Die Nutzung zu eigenen Wohnzwecken umfasst nicht die Nutzung zu Erholungszwecken, selbst wenn das Ferienhaus nur vom Steuerpflichtigen selbst genutzt wird.

Private Veräußerungsgeschäfte sind als sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 2 EStG in der Einkommensteuererklärung zu erfassen. Hierbei handelt es sich um Immobilien, die ein Steuerpflichtiger innerhalb von zehn Jahren nach Anschaffung wieder veräußert, es sei denn die Immobilie diente zwischen Anschaffung oder Fertigstellung und Veräußerung ausschließlich eigenen Wohnzwecken oder wurde im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt. 

Im Streitfall errichtete der Vater der Klägerin ein Einfamilienhaus auf Sylt, welches er zuletzt allein bewohnte. Im Jahr 1998 veräußerte er die Immobilie an seine beiden Kinder zu gleichen Teilen, welche das Gebäude fortan selbst als Ferienhaus nutzten. Die Tochter erwarb in 2006 den hälftigen Miteigentumsanteil von ihrem Bruder und veräußerte noch im selben Jahr das Gebäude und damit innerhalb der zehnjährigen Spekulationsfrist, sodass das Finanzamt gem. § 22 EStG sonstige Einkünfte aufgrund eines Veräußerungsgeschäfts nach § 23 EStG festsetzte. Die Steuerpflichtige hingegen bezog sich auf § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 3 EStG und machte geltend, das Ferienhaus zu eigenen Wohnzwecken genutzt zu haben.

Das Finanzgericht folgte der Ansicht des Finanzamts und sah in der Veräußerung ein steuerpflichtiges Veräußerungsgeschäft, da das Ferienhaus überwiegend zu Erholungszwecken und nicht zu beruflichen Zwecken privat genutzt wurde.

Denn nur sofern die Ferienwohnung im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung und damit aus beruflichen Gründen selbst genutzt wird oder wenn sie wegen eines Arbeitsplatzwechsels kurzfristig veräußert wird, liegt eine Ausnahme von der Spekulationsbesteuerung vor.

Hinweis
Wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache wurde die Revision zugelassen. Einsprüche sollten unter Hinweis auf das beim BFH anhängige Verfahren, Az IX R 37/16, eingelegt werden.

Fundstelle
FG Köln, Urteil vom 18.10.2016 8 K 3825/11

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