Sonn, Feiertags- und Nachtzuschläge an faktischen Geschäftsführer

Haas - Steuernachrichten

VGA bei Geschäftsführer-Vergütungen sind ein leidiges Thema und allgemein bekannt.

Diese Probleme hat eine GmbH versucht zu umschiffen, indem sie "die Person" nicht als Organ der GmbH bestellt hat (sondern als einfachen Angestellten laufen ließ).

Das FG Münster nahm trotzdem eine vGA an, indem es die Grundsätze des faktischen Geschäftsführers als erfüllt ansah.

Praktikerhinweis
Jemand, der formell nicht als Geschäftsführer einer GmbH bestellt ist, kann nach der finanzgerichtlichen und zivil- und strafrechtlichen Rechtsprechung gleichwohl als sog. faktischer Geschäftsführer anzusehen sein. Für die Beurteilung kommt es darauf an, wie sich das Auftreten des Betreffenden nach dem Gesamterscheinungsbild darstellt. Entscheidend ist hierbei, dass der Betreffende die Geschicke der Gesellschaft maßgeblich in die Hand genommen und ihre Geschäfte wie ein Geschäftsführer geführt hat. Erforderlich ist ein eigenes Handeln des Betreffenden im Außenverhältnis.

Die Rechtsprechung hat 8 klassische Merkmale im Kernbereich der Geschäftsführung definiert:

  1. Bestimmung der Unternehmenspolitik,
  2. Unternehmensorganisation,
  3. Einstellung von Mitarbeitern,
  4. Gestaltung der Geschäftsbeziehungen zu Vertragspartnern,
  5. Verhandlung mit Kreditgebern,
  6. Gehaltshöhe,
  7. Entscheidung der Steuerangelegenheiten,
  8. Steuerung der Buchhaltung.

Für die Annahme einer faktischen Geschäftsführung müssen nach Auffassung des Finanzgerichts mindestens 6 Kriterien erfüllt sein.

Fundstelle
FG Münster, Urteil vom 27.01.2016 10 K 1167/13, EFG 2016 S. 671

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