So werden Anteile an offenen Immobilienfonds bewertet

Bewertungsgesetz und Erbschaftsteuer

Die Bewertung von Anteilscheinen an einem offenen Immobilienfonds erfolgt mit dem Kurswert und nicht mit dem Rücknahmepreis, wenn die Rücknahme der Anteilscheine ausgesetzt ist. Damit ist gem. § 11 Abs. 1 BewG der Börsenkurs zum Besteuerungszeitpunkt maßgebend und nicht der ursprüngliche Rücknahmepreis.

Nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG unterliegt jeder Erbfall der Erbschaftsteuer. Als steuerpflichtiger Erwerb gilt die Bereicherung des Erwerbers. Die Ermittlung erfolgt nach den Vorschriften des ersten Teils des BewG. Gem. § 9 BewG ist bei Bewertungen, soweit nichts anderes vorgeschrieben ist, der gemeine Wert zugrunde zu legen. Dieser bestimmt sich durch den Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach der Beschaffenheit des Wirtschaftsgutes bei einer Veräußerung zu erzielen wäre.

Die Bewertung von Anteilscheinen an einem offenen Immobilienfonds erfolgt daher mit dem Kurswert und nicht mit dem Rücknahmepreis, wenn die Rücknahme der Anteilscheine ausgesetzt ist. Damit ist gem. § 11 Abs. 1 BewG der Börsenkurs zum Besteuerungszeitpunkt maßgebend und nicht der ursprüngliche Rücknahmepreis.

Die Veräußerung der Anteile an der Börse stellt keinen vergleichbaren Ersatz dar, sodass als gemeiner Wert der niedrigere Kurswert anstelle des höheren Rücknahmewerts anzusetzen ist.

Im entschiedenen Fall hatte eine Alleinerbin Anteile an einem offenen Immobilienfonds geerbt. Dieser hatte die Rücknahme der Anteile ausgesetzt, sodass im Zeitpunkt des Erbanfalls keine Rücknahme möglich war. Im späteren Verlauf wurde der Fonds mangels Liquidität aufgelöst. Da zum Besteuerungszeitpunkt keine Rücknahme der Anteile möglich war, bemisst sich nach Ansicht des Hessischen Finanzgerichts der Wert der Anteile nach dem Kurswert.

Das Hessische FG hat die Revision vor dem BFH zugelassen. Das Verfahren ist unter dem Az II R 11/16 anhängig.  

Fundstelle
Hessisches FG, Urteil vom 16.02.2016 1 K 1161/15

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