Sind Zinseszinsen bei Investitionsdarlehen voll abziehbar?

Einkommensteuer

Im Streitfall ging es um den Abzug von Schuldzinsen für ein Darlehen, das ausschließlich der Finanzierung von Zinszahlungen eines Investitionsdarlehens i.S.d. § 4 Abs. 4a Satz 5 EStG gedient hat. Fraglich war, ob die Schuldzinsen dem Grunde nach der Abzugsbeschränkung des § 4 Abs. 4a EStG unterliegen oder ebenfalls begünstigt sind.

Schuldzinsen sind nach § 4 Abs. 4a Sätze 1 bis 4 EStG nicht als Betriebsausgaben abziehbar, wenn Überentnahmen getätigt wurden. Von der Abzugsbeschränkung ausgenommen sind Schuldzinsen für Darlehen zur Finanzierung von Anschaffungs- oder Herstellungskosten für Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens.

Der BFH hat die eingehend erwähnte Frage in einem aktuellen Urteil zugunsten der Steuerpflichtigen geklärt. Maßgeblich ist hier allein die tatsächliche Verwendung der Darlehensmittel für eine begünstigte Investition. Der vereinbarte Darlehenszweck oder die Mittelverwendungsabsicht des Darlehensnehmers ist für die Beurteilung des Schuldzinsenabzugs irrelevant. Aus dem Gesetzeswortlaut ist kein Hinweis erkennbar, dass Verzugs- und Zinseszinsen nicht unter den Begriff der Schuldzinsen i.S.d. § 4 Abs. 4a Satz 5 EStG fallen. Bei steuerlicher Betrachtung gehören auch die Verzugs- und Zinseszinsen zum Entgelt für die Kapitalüberlassung.

Die Finanzierung der Zinsen eines Darlehens zur Finanzierung von Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens wird daher ebenfalls durch § 4 Abs. 4a Satz 5 EStG begünstigt.

Fundstelle
BFH-Urteil vom 07.07.2016 III R 26/15

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