Sind Umzugskosten als Werbungskosten abziehbar?

Einkommensteuer

Umzugskosten sind bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit abziehbar, wenn die berufliche Tätigkeit der entscheidende Grund für den Umzug ist. Das Finanzgericht Köln kommt zu dem Ergebnis, dass der Umzug auch dann beruflich veranlasst ist, wenn die Arbeitsstätte zu Fuß erreichbar ist.

Werbungskosten sind Aufwendungen, die durch das Erzielen von Einkünften gem. § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 bis 7 EStG veranlasst sind. Eine solche Veranlassung liegt vor, wenn die Aufwendungen in wirtschaftlichem Zusammenhang mit einer der Einkunftsarten stehen. Umzugskosten sind bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit als Werbungskosten abziehbar, wenn die berufliche Tätigkeit der entscheidende Grund für den Umzug ist und private Umstände allenfalls eine ganz untergeordnete Rolle spielen.

Im Streitfall war eine beamtete Studienrätin in einem städtischen Berufskolleg tätig. Den Weg zum Berufskolleg legte sie mit der Straßenbahn zurück. Zum Ende des Streitjahres zog sie mit ihrem Ehemann und den beiden Kindern in einen anderen Stadtteil um. Der Fußweg von der neuen Wohnung zum Berufskolleg betrug nun weniger als 100 Meter und konnte innerhalb weniger Minuten erreicht werden. In ihrer Einkommensteuererklärung machte die Klägerin die entsprechenden Umzugsaufwendungen als Werbungskosten geltend. Das Finanzamt versagte den Werbungskostenabzug mit der Begründung, dass sich die Fahrzeit von der Wohnung zur Arbeitsstätte durch den Umzug nicht um mindestens eine Stunde verkürzt hat. Die hiergegen gerichtete Klage hatte Erfolg. Die Klägerin führte an, dass die Wegezeitverkürzung von einer Stunde durch die Wartezeiten für die Straßenbahn erreicht wird und weil sie zusätzlich an 2 Abenden pro Woche ein zweites Mal beim Berufskolleg zu Besprechungen erscheinen muss.

Das Finanzgericht hat aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens die Überzeugung gewonnen, dass die Tätigkeit als Lehrerin am städtischen Berufskolleg der entscheidende Grund für den Umzug war und private Umstände allenfalls eine ganz untergeordnete Rolle spielen. In die Berechnung der Zeitersparnis sind die Zeiten für die Hin- und Rückfahrt einzubeziehen. Muss der Steuerpflichtige den Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mehrmals am selben Tage zurücklegen, um - wie im Streitfall - in den Abendstunden zu Besprechungen zur Verfügung zu stehen, sind für die Berechnung der Zeitersparnis auch diese Fahrten zu berücksichtigen.

In Ausnahmefällen kann auch die Erreichbarkeit der Arbeitsstätte ohne Verkehrsmittel zu einer wesentlichen sonstigen Verbesserung der Arbeitsbedingungen führen, dass selbst eine weniger als eine Stunde betragende Zeitersparnis für die Annahme einer beruflichen Veranlassung der Umzugskosten ausreichend ist.

Anhaltspunkte dafür, dass private Gründe für den Umzug eine entscheidende Rolle gespielt haben, waren nicht ersichtlich. Die Umzugskosten wurden in voller Höhe anerkannt. 

Fundstelle
FG Köln, Urteil vom 24.02.2016 3 K 3502/13, Revision nicht zugelassen, 
BFH-Beschluss vom 02.02.2000 X B 80/99, BFH/NV 2000 S. 945

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