Online-Krankschreibung – reicht das?

Haas - Steuernachrichten

Online-Krankschreibung statt Arztbesuch? Vielleicht sogar per WhatsApp? Während sich die Arbeitnehmer freuen, verfallen die meisten Chefs in Panik. Doch was sind die Vor- und Nachteile und ist so eine Online-Krankschreibung genauso gültig wie die auf Papier?

Das Hamburger Unternehmen "AU-Schein" spaltet die Gemüter. Ohne persönliche Vorstellung beim Arzt und sogar ohne Telefonat, erhält ein Arbeitnehmer hier schnell und einfach über WhatsApp eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Online wird ein Formular ausgefüllt und der Rest z. B. "Abgabe" der Krankenkassenkarte erfolgt alles per Foto über WhatsApp. 

Für Arbeitnehmer klingt das natürlich durchaus verlockend und zugegeben bei z. B. einer Grippe ist es vielleicht sogar sinnvoll, sich nicht nur für die Krankschreibung ins überfüllte Wartezimmer setzen zu müssen. Wie nicht anders zu erwarten war, stößt die Online-Krankschreibung aber gerade bei Arbeitgebern, Ärzten und Datenschützern auf extreme Kritik. Die bisherigen Äußerungen zu diesem Vorgehen sind nicht wirklich positiv. Ärztekammern raten ausdrücklich von der Nutzung ab und verweisen sowohl auf datenschutzrechtliche Probleme als auch auf die Frage nach der rechtlichen Anerkennung einer auf diesem Wege erhaltenen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Überraschende Aktualität erfährt dadurch auch ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 1976 (5 AZR 422/75). Das BAG hatte hier festgestellt, dass eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die ein Arzt ohne vorherige Untersuchung ausstellt, in der Regel nicht geeignet ist, eine Erkrankung zu beweisen. Auch in Zeiten der Digitalisierung dürfte sich daran nichts geändert haben, sodass anders als in den Medien oft suggeriert, die Gültigkeit einer Online-Krankschreibung keinesfalls garantiert ist.

Fundstelle
FAZ

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