"Offensichtlich verkehrsgünstigere" Straßenverbindung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

Einkommensteuer

Ob eine Straßenverbindung aufgrund einer zu erwartenden Zeitersparnis als "offensichtlich verkehrsgünstiger" anzusehen ist, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls. Insbesondere ist nicht in jedem Fall eine Zeitersparnis von mindestens 20 Minuten erforderlich.

Ob eine Straßenverbindung aufgrund einer zu erwartenden Zeitersparnis als "offensichtlich verkehrsgünstiger" anzusehen ist, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls. Insbesondere ist nicht in jedem Fall eine Zeitersparnis von mindestens 20 Minuten erforderlich. 

"Offensichtlich " verkehrsgünstiger i.S.d. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 Satz 4 EStG ist die vom Arbeitnehmer gewählte Straßenverbindung, 

  • wenn sich jeder unvoreingenommene, verständige Verkehrsteilnehmer unter den gegebenen Verkehrsverhältnissen für die Benutzung der Strecke entschieden hätte. 

Zu vergleichen sind

  • die kürzeste
  • und die vom Arbeitnehmer regelmäßig für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte benutzte längere Straßenverbindung. 

Weitere mögliche, vom Arbeitnehmer tatsächlich aber nicht benutzte Fahrtstrecken zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bleiben dagegen unberücksichtigt. 

Nach den neuen BFH-Urteilen bemisst sich die Frage, wann eine Umwegstrecke offensichtlich verkehrsgünstiger ist, nicht allein nach der Zeitersparnis. Entscheidend sind die Gesamtumstände des Einzelfalls.  Der Zeitersparnis kommt nur noch indizielle Bedeutung zu. Eine offensichtlich verkehrsgünstigere Straßenverbindung kann auch dann vorliegen, wenn nur eine geringe oder gar keine Zeitersparnis zu erwarten ist, sich die Strecke aber aufgrund anderer Umstände, wie z.B. 

  • Streckenführung, Ampelschaltung, Schwerlastverkehr 

als verkehrsgünstiger erweist als die kürzeste Verbindung. 

Zu vergleichen sind die kürzeste und die vom Arbeitnehmer regelmäßig für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte benutzte längere Straßenverbindung. Ist die vom Arbeitnehmer benutzte Verbindung "offensichtlich verkehrsgünstiger", ist sie der Besteuerung zu Grunde zu legen.  Die vom Arbeitnehmer gefahrene Strecke muss nicht verkehrsgünstiger als alle übrigen möglichen Verbindungen zwischen Wohn - und Arbeitsort sein. Es muss sich also nicht um die verkehrsgünstigste Strecke überhaupt handeln. 

Auch interessant... 

sind die Ausführungen des BFH zur Berücksichtigung der Aufwendungen für den Besuch der CeBIT. 

Es ist festzustellen, inwieweit die Aufwendungen beruflich veranlasst sind. Der Beschluss des Großen Senats des BFH vom 21.09.2009 zur Aufteilung gemischt veranlasster Aufwendungen ist hier zu beachten. 

Liegt eine überwiegende berufliche Veranlassung vor, sind die Aufwendungen als Werbungskosten zu berücksichtigen Werden - wie im Streitfall - die Aufwendungen von Dritten übernommen, liegt eine berufliche Veranlassung nahe. Liegt keine überwiegende berufliche Veranlassung vor, kann eine Aufteilung anhand privater bzw. beruflicher Veranlassungsbeiträge möglich sein. 

Fundstelle: BFH-Urteil vom 16.11.2011, IV R 46/10 und VI R 19/11

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