Negative Kapitaleinkünfte bei Forderungsverzicht eines GmbH-Gesellschafters?

Haas - Steuernachrichten

Verzichtet ein GmbH-Gesellschafter auf eine Forderung gegenüber seiner GmbH, so können nach Ansicht des BFH negative Einkünfte aus Kapitalvermögen vorliegen.

Seit Einführung der Abgeltungsteuer sind grundsätzlich sämtliche Wertveränderungen bei Kapitaleinkünften steuerlich zu berücksichtigen. Im Urteilsfall verzichtete der Kläger zum Teil auf eine Darlehensforderung gegen die Gesellschaft, an der er zu 10% beteiligt war. Er erwarb die Forderung in Höhe von 800.000 EUR zu einem Kaufpreis von 364.000 EUR. 

Der BFH unterstellte in seinem Urteil, dass der Kaufpreis der Höhe nach dem werthaltigen Teil der gesamten Forderung entsprach. Insofern beurteilte er den Verzicht als auf den nicht werthaltigen Teil der Forderung entfallend. In der Folge war der Verlust nicht abzugsfähig, da hierfür keine Anschaffungskosten entstanden waren.

Grundsätzlich aber ist der Verlust einer werthaltigen Forderung nach Einführung der Abgeltungsteuer als Einlage zu berücksichtigen. Eine Einlage liegt nach Ansicht des BFH nur bei einer werthaltigen Forderung vor, bzw. in Höhe des werthaltigen Teils. Dem sind bei einem Forderungsverzicht die Anschaffungskosten (auf den werthaltigen Teil) gegenüber zu stellen.

Voraussetzung ist, dass der Verzicht der Höhe nach den Betrag des nicht werthaltigen Teils der Forderung überschreitet. Verzichtet der Gesellschafter auf den nicht werthaltigen Teil seiner Forderung, steht dies einer Abtretung gleich und hatte er Anschaffungskosten, so führt der Forderungsverzicht zu einem steu-erlich nach § 20 Abs. 2 S. 2 EStG zu erfassenden Forderungsausfall.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 06.08.2019 – VIII R 18/16

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