Nachträgliche Zinsvereinbarung schützt nicht vor Abzinsung des Darlehens

Haas - Steuernachrichten

Ein unverzinsliches Darlehen ist auch dann abzuzinsen, wenn zwar noch vor dem Bilanzstichtag eine Verzinsung vereinbart wird, die Verzinslichkeit aber erst ab dem 01.01. des folgenden Wirtschaftsjahres gilt.   

Gegen das Urteil des FG Berlin-Brandenburg wurde Revision beim BFH eingelegt.   

Nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG sind unverzinsliche Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr mit einem Zinssatz von 5,5 % abzuzinsen.

Eine Abzinsung erfolgt nicht, wenn die Verbindlichkeit am Bilanzstichtag eine Laufzeit von weniger als 12 Monaten besitzt, wenn die Verbindlichkeit verzinslich ist oder wenn sie auf einer Anzahlung oder Vorausleistung beruht.

Kann eine Abzinsung vermieden werden, wenn für eine zunächst unverzinsliche Verbindlichkeit noch vor dem Bilanzstichtag eine Verzinsung ab dem Beginn des folgenden Wirtschaftsjahres vereinbart worden ist?

Nein, meint das FG Berlin-Brandenburg. Denn die Verzinslichkeit des Darlehens setzt erst am 1. Januar des folgenden Wirtschaftsjahres und damit nach dem Bilanzstichtag ein. Die auf den 1. Januar wirkende Umgestaltung der unverzinslichen in eine (unbedingt) verzinsliche Verbindlichkeit stellt insoweit ein wertbegründendes - nicht lediglich ein wertaufhellendes - Ereignis dar, das nicht auf den abgelaufenen Bilanzstichtag zurück wirkt, sondern erst zum Bilanzstichtag des laufenden Jahres berücksichtigt werden kann.

Mit diesem Urteil ist das FG strenger als die Finanzverwaltung. Diese vertritt die Auffassung, dass bereits dann eine verzinsliche Verbindlichkeit vorliegt, wenn nach der Darlehensvereinbarung nur in bestimmten Zeiträumen eine Verzinsung vorgesehen ist, so dass eine Abzinsung unterbleibt, BMF- Schreiben vom 26.05.2005, Rz. 17, BStBl 2005 I S. 699.

Gegen das Urteil des FG Berlin-Brandenburg wurde Revision beim BFH eingelegt, Az des BFH I R 23/16. Vergleichbare Fälle sollten entsprechend offen gehalten werden.

Hinweis

Zinsvereinbarungen sollten vor dem Bilanzstichtag getroffen werden und spätestens mit Wirkung vom Bilanzstichtag an gelten, wenn die Wirksamkeit schon für den Bilanzstichtag angestrebt wird, also am 31.12. statt am 01.01. des Folgejahres. 

Fundstelle
FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 10.02.2016 11 K 12058/13, DStR 2017 S. 6 , Revision eingelegt, Az. des BFH I R 23/16

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