Muss zivilrechtliche Nachlassspaltung für die Erbauseinandersetzung steuerrechtlich beachtet werden?

Haas - Steuernachrichten

Liegt zivilrechtlich eine Nachlassspaltung vor, haben die Miterben bei der Erbauseinandersetzung steuerrechtlich ein Wahlrecht, wenn sie sich in einem einheitlichen Vorgang über den gesamten Nachlass auseinandersetzen. Steuerrechtlich kann dann auch von einem einheitlichen Vorgang ausgegangen werden.

Bei der Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft können Aufwendungen eines Miterben Anschaffungskosten sein. Das ist dann der Fall, wenn der Wert des Erlangten den Wert seines Erbanteils übersteigt und der begünstigte Erbe deshalb an einen oder mehrere Miterben Ausgleichszahlungen leistet.

Liegen aufgrund einer zivilrechtlichen Nachlassspaltung zwei oder mehrere Erbengemeinschaften vor, steht es den Miterben frei, ob sie die zivilrechtliche Nachlassspaltung auch steuerrechtlich beachten. Nach der Entscheidung des BFH haben die Miterben ein Wahlrecht.

Folgen sie der zivilrechtlichen Nachlassspaltung, dann kommt es für die ertragsteuerrechtliche Beurteilung auf die jeweilige Auseinandersetzung an.

Die Miterben können sich aber auch unter Einbeziehung beider bzw. aller Erbengemeinschaften in einem einheitlichen Vorgang in der Weise auseinandersetzen, dass sie sämtliche Nachlassgegenstände gleichzeitig vollständig unter sich verteilen. In einem solchen Fall kann ertragsteuerrechtlich auf diesen einen einheitlichen Vorgang abgestellt werden für die Frage, ob eine steuerneutrale Realteilung vorliegt oder ob sich Anschaffungs- und Veräußerungsvorgänge ergeben.

Dadurch ergeben sich in der Praxis mehr Gestaltungsmöglichkeiten sich steuerneutral auseinanderzusetzen.

Fundstelle

BFH Urteil vom 10.10.2018 IX R 1/17

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