Mehrere Arbeitszimmer eines Ehepaars

Einkommensteuer

Wird ein häusliches Arbeitszimmer von Ehegatten für unterschiedliche berufliche Tätigkeiten gemeinsam genutzt ist für jeden Ehegatten getrennt zu prüfen, ob das Arbeitszimmer Mittelpunkt der Tätigkeit ist oder für die Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Ist für einen Ehegatten nur der auf 1.250 EUR begrenzte Abzug möglich, ist dieser Betrag zu halbieren und auf die verschiedenen Einkünfte aufzuteilen.

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sind gem. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG nicht als Betriebsausgaben abzugsfähig, es sei denn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Trifft dies zu, können bis zu maximal 1.250,00 EUR angesetzt werden. Stellt das Arbeitszimmer allerdings den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit dar, sind die Kosten nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG in voller Höhe abzugsfähig.

Im Streitfall erzielten die Kläger, ein Ehepaar folgende Einkünfte: Der Ehemann bezog zum einen Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit aus seinem Vollzeitarbeitsverhältnis und zum anderen Einkünfte aus seiner gewerblichen Nebentätigkeit. Die Ehefrau erzielte ausschließlich Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Die Ehegatten nutzten mehrere Arbeitszimmer. Eines der beiden häuslichen Arbeitszimmer nutzte der Ehemann für seine nichtselbstständige Arbeit allein, der andere Raum wurde von beiden Ehegatten für ihre jeweiligen gewerblichen Tätigkeiten gemeinsam genutzt. Sie beantragten den vollen Betriebsausgabenabzug für die gewerblichen Tätigkeiten und den Höchstbetrag von 1.250,00 EUR bei den nichtselbstständigen Einkünften des Ehemanns. Dem folgte das FG Münster nicht.

Der Ehefrau wurde der volle Betriebsausgabenabzug gewährt, da das Arbeitszimmer für sie den Mittelpunkt ihrer gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung gem. § 6 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG darstellt.

Der Ehemann hingegen hat lediglich Anspruch auf den Höchstbetrag von 1.250,00 EUR insgesamt, da das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt aller beruflichen Tätigkeiten darstellt. Da sich die Ehegatten ein Arbeitszimmer teilen, ist der Höchstbetrag zu halbieren. Ihm verbleiben damit 625,00 EUR abzugsfähige Aufwendungen, welche wiederum auf beide Tätigkeiten im Schätzungswege aufzuteilen sind. Letztlich können 312,50 EUR als Betriebsausgaben bei den gewerblichen Einkünften in Abzug gebracht werden und 312,50 EUR als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Tätigkeit.

Das FG hat die Revision vor dem BFH zugelassen.    

Fundstelle
FG Münster, Urteil vom 15.03.2016 11 K 2425/13 E,G; Revision zugelassen

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