Krankgeschrieben zum Gespräch mit dem Chef? Nein!

Haas - Steuernachrichten

Besteht für Krankgeschriebene die Pflicht zur Teilnahme an einem Gespräch mit dem Personaler, um die Möglichkeiten ihrer weiteren Beschäftigung zu klären? Das Bundesarbeitsgericht entschied ganz klar: Wer krankgeschrieben ist, hat keine Pflicht, im Betrieb zu erscheinen. Es gibt jedoch Einschränkungen.

Der Kläger war über einige Wochen hinweg immer wieder krankgeschrieben. Um die weiteren Beschäftigungsoptionen nach seiner Krankheit zu klären, bat der Arbeitgeber ihn zu einem Gespräch in den Betrieb. Der Arbeitnehmer sagte mit dem Grund seiner Krankschreibung jedoch ab. Er wurde abgemahnt. Nun klagte er auf Entfernung der Abmahnung aus seiner Personalakte. Er hatte Erfolg. 

Ein Arbeitnehmer kann bei attestierter Arbeitsunfähigkeit grds. nicht in den Betrieb bestellt werden. Etwas anderes gilt nur, wenn die Art seiner Krankheit ein Erscheinen unproblematisch erlaubt oder ein Gespräch im Betrieb unverzichtbar erscheint. Für diesen Umstand trägt der Arbeitgeber allerdings die Beweislast. 
Optionen für den Arbeitgeber: Hat er ein berechtigtes Interesse an einem Kontakt, so kann ihm eine angemessene andere Kontaktaufnahme nicht untersagt werden. Nur das Bestehen auf ein persönliches Erscheinen ist unzulässig.

Fundstelle
Bundesarbeitsgericht-Urteil vom 02.11.2016 10 AZR 596/15

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