Kollisionsgefahr im Supermarkt - Die Fahrlässigkeit im Rückwärtsgehen

Rückblickspiegel, Schulterblick, vielleicht sogar lieber zweimal. Im Auto ist es klar; Fahrwegkontrolle vor der Rückwärtsbewegung. Doch Achtung! Diese Sicherheitsmaßnahme sollten sie in Zukunft lieber auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Es besteht Kollisionsgefahr im Supermarkt.

Kundin A weicht einer Supermarktmitarbeiterin aus und bringt Kundin B so zu Fall. Kundin B verletzt sich und verlangt von Kundin A Schadensersatz. Lt. Gerichtsurteil steht ihr dieser auch zu!

Als die Beklagte A im Supermarkt von dem Hauptgang in einen Seitengang abbiegt, kommt ihr eine Mitarbeiterin entgegen. Um ihr auszuweichen, geht sie -  ohne nach hinten zu sehen - einen Schritt rückwärts zurück auf den Hauptgang. Da geschieht es: Kollision mit B. B zieht sich einen komplizierten Armbruch zu und verlangt von A nun Schadensersatz. Den spricht das Gericht ihr auch zu und sieht A in der Schuld. Im Supermarkt bestehe wegen sich ständig bewegender Kunden und Einkaufswagen grundsätzlich eine Kollisionsgefahr, mit der jeder rechnen müsse. Darum ist es dort ständig geboten seinen Bewegungsraum zu kontrollieren, um Schäden zu vermeiden. Wer ohne Rückblick zurücktritt, handelt fahrlässig. Deshalb ist A der B verpflichtet.

Diese strenge Beurteilung schränkt das Gericht jedoch noch ein: B trägt genauso viel Schuld wie A. Sie muss 50 % des Schadens selber tragen, weil sie mit dem Rückwärtsschritt der Beklagten - wegen der dem Supermarktbesuch immanenten Kollisionsgefahr - hätte rechnen müssen.

Fundstelle
Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 06.06.2016 6 U 203/15

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