Keine „Spekulationssteuer“ auf häusliches Arbeitszimmer

Haas - Steuernachrichten

Führt ein in der Einkommensteuererklärung berücksichtigtes Arbeitszimmer dazu, dass ein Gebäude oder eine Wohnung nicht mehr ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde?

Nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 1 EStG sind private Veräußerungsgeschäfte u. a. Veräußerungsgeschäfte bei Grundstücken, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als 10 Jahre beträgt. Eine Ausnahme besteht, wenn das Gebäude oder die Wohnung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde. Dann ist eine Veräußerung auch innerhalb der 10 Jahres-Frist steuerfrei. 

Wird eine selbstgenutzte Eigentumswohnung innerhalb der zehnjährigen Spekulationsfrist verkauft, ist der Veräußerungsgewinn grundsätzlich auch dann in vollem Umfang gem. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 3 EStG steuerfrei, wenn ein untergeordneter Teil der Wohnung im Rahmen einer nichtselbstständigen Tätigkeit als häusliches Arbeitszimmer genutzt wird. Für die Ausnahme von der Besteuerung aufgrund von Eigennutzung ist es nicht schädlich, dass ein (untergeordneter) Teil des erworbenen und wieder veräußerten Wirtschaftsgutes "Eigentumswohnung" nicht zu eigenen Wohnzwecken, sondern ausschließlich zu beruflichen Zwecken genutzt worden ist.

Der BFH hat in der gegen das Besprechungsurteil anhängigen Revision nunmehr die Gelegenheit, die Streitfrage höchstrichterlich zu klären. Da davon auszugehen ist, dass die Finanzverwaltung bis dahin ihre restriktive Auffassung weiterhin der Besteuerung zugrunde legt, bleibt den Steuerpflichtigen nichts anderes übrig, als sich in jedem Einzelfall gegen eine entsprechende Veranlagung im Rahmen eines Einspruchs zu wehren. Interessant dazu auch das mittlerweile rechtskräftig gewordene Urteil des Finanzgericht Köln vom 20.03.2018 (8 K 1160/15, EFG 2018, 1256), dass den Veräußerungsgewinn für das Arbeitszimmer ebenfalls von der Besteuerung ausnimmt, da es kein selbstständiges Wirtschaftsgut darstelle.

Fundstelle

Urteil des FG Baden-Württemberg, 23.07.2019, 5 K 338/19, Revision zugelassen, Az. des BFH IX R 27/19,EFG 2020, 46

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