Hüten Sie manchmal das Haus Ihrer Nachbarn?

A hatte für B während B´s Kuraufenthalt den Garten bewässert. Nachdem er am 29. Juni die Bewässerung beendet hatte, drehte er nur die Schlauchspritze, nicht jedoch die Wasserzufuhr ab. Könnte Ihnen das nicht auch passieren?

In der Nacht löste sich der unter Druck stehende Schlauch von der Spritze und erhebliche Wassermengen gelangten in den Keller des Hauses. Es entstand ein Schaden von 11.691 EUR. Was nun?
Muss der Nachbar haften oder besteht bei solchen Nachbarschaftsgefälligkeiten ein Haftungsausschluss für leichte Fahrlässigkeit? War das Vorgehen des Nachbarn sogar grob fahrlässig? Könnte Ihnen das nicht auch passieren?

Zunächst: Grob fahrlässig ist das Verhalten nicht, sofern nicht direkt erkennbar war, dass Wasser vom Gartenschlauch direkt ins Haus gelangt.
A handelte leicht fahrlässig. Dafür muss er haften. Unentgeltliche Hilfeleistung im Rahmen eines Gefälligkeitsverhältnisses - wie bei Nachbarn, Freunden, Kollegen üblich - können zwar für einen konkludenten Haftungsausschluss bei leichter Fahrlässigkeit sprechen. Allerdings müssen noch besondere Umstände hinzukommen, um ihn tatsächlich annehmen zu können. Dass sich sonst wohl kein gefälliger Nachbar mehr finden lasse, reicht nicht. Solange der Schädiger eine Haftpflichtversicherung hat, die die Schäden abdeckt, ist mangels Interesses nicht von einem Haftungsausschluss auszugehen. 

Fundstelle
BGH-Urteil vom 26.04.2016 VI ZR 467/15

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