Hochzeits- und Portraitfotografie sowie Umsätze mit Fotobüchern unterliegen dem Regelsteuersatz

Umsatzsteuer

Der Regelsteuersatz von 19 % gilt für fotografische Leistungen. Es liegt keine Übertragung von urheberrechtlichen Schutzrechten vor. Dem Endverbraucher geht es um die Fotos bzw. Bilddateien. Eine Aufteilung des Gesamthonorars ist nicht möglich, da ein einheitlicher wirtschaftlicher Vorgang vorliegt.

Ein Fotobuch ist entsprechend der Durchführungsverordnung (EU) 2015/2254 der Kommission vom 02.12.2015 eine fest gebundene Ware aus Papier mit gedruckten vollfarbigen, personalisierten Fotos und kurzem Text zu den Aktivitäten, Veranstaltungen, Personen auf den jeweiligen Fotos. Entsprechend dieser Durchführungsverordnung darf ein Fotobuch nicht als Buch eingereiht werden, da es nicht zum Lesen bestimmt ist. Das Bundesministerium der Finanzen hat bereits mit Schreiben vom 20.04.2016 ausgeführt, dass die Lieferung sowie der innergemeinschaftliche Erwerb von Fotobüchern dem allgemeinen Steuersatz von 19 % unterliegt. Dies gilt auch dann, wenn das Fotobuch andere Abmessungen hat als in der Durchführungsverordnung genannt oder es nicht bzw. nicht vollständig in Vollfarbdruck erstellt wurde.

Die OFD-Niedersachsen hat sich ergänzend zu dem BMF-Schreiben in einer Verfügung vom 25.04.2016 zur Hochzeits- und Portraitfotografie sowie zu den Umsätzen mit Fotobüchern geäußert. Grundsätzlich unterliegen die fotografischen Leistungen dem allgemeinen Steuersatz. Der ermäßigte Steuersatz aufgrund einer Übertragung von urheberechtlichen Schutzrechten ist nicht anzuwenden. Dem Endverbraucher geht es regelmäßig darum, die Fotos bzw. Bilddateien zu erhalten. Es liegt in dem Fall keine Übertragung von urheberechtlichen Schutzrechten vor. Die Aufnahme sowie der Verkauf der Bilder/Bilddateien ist als ein einheitlicher wirtschaftlicher Vorgang anzusehen. Daher führt eine Trennung des Honorars in Aufnahmehonorar und Preis für die Bilder/Bilddateien zu keiner anderen Beurteilung, da ein einheitlicher Vorgang nicht in mehrere Leistungen aufgeteilt werden darf.

Auch wenn der Fotograf statt des Regelsteuersatzes den ermäßigten Steuersatz in seiner Rechnung ausgewiesen hat, schuldet er die gesetzlich vorgeschriebene Steuer. Diese ist aus dem Gesamtrechnungsbetrag herauszurechnen.

Wie im BMF-Schreiben vom 20.04.2016 bereits ausgeführt, ist der ermäßigte Steuersatz für die Erstellung eines Fotobuches grundsätzlich nicht anzuwenden. Die sonstige Leistung in der Erstellung des Fotobuches steht im Vordergrund, nicht aber die anschließende Lieferung. Eine abweichende Beurteilung ergab sich in der Vergangenheit, wenn das Fotobuch vom Kunden selbst entworfen wurde und der Fotograf es nur gedruckt und anschließend an den Kunden geliefert hat. Diese Lieferung unterlag dann dem ermäßigten Steuersatz. Da jedoch entsprechend der Durchführungsverordnung (EU) ein Fotobuch nicht mehr als Buch eingereiht werden darf, unterliegen alle Lieferungen, Einfuhren und innergemeinschaftliche Erwerbe von Fotobüchern dem allgemeinen Steuersatz.

Grundsätzlich sind die Regelungen in allen offenen Fällen anzuwenden. Es wird aber nicht beanstandet, wenn für vor dem 01.01.2017 ausgeführte Lieferungen und innergemeinschaftliche Erwerbe der Unternehmer diese dem ermäßigten Steuersatz unterwirft. 

Fundstelle
OFD Niedersachsen, Verfügung vom 25.04.2016 S 7240 - 56 - St 187 VD,
BMF-Schreiben vom 20.04.2016 III C 2 - S 7225/12/10001

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