Herstellungskosten oder Erhaltungsaufwand Abgrenzung bei Umbaumaßnahmen an Gebäuden

Einkommensteuer

Nach Verwaltungsauffassung und Rechtsprechung liegen immer dann nachträgliche Herstellungskosten vor, wenn eine Erweiterung oder wesentliche Verbesserung vorgenommen wurde. Mit Urteil vom 15.05.2013 hat der BFH konkretisiert, wann bei einem Gebäude eine Erweiterung vorliegt.

Die Abgrenzung zwischen sofort abzugsfähigen Erhaltungsaufwendungen und nachträglichen - nur über die AfA zu berücksichtigenden Herstellungskosten - kann in der Praxis mitunter schwierig sein. Nach Verwaltungsauffassung und Rechtsprechung liegen aber zumindest immer dann nachträgliche Herstellungskosten vor, wenn eine Erweiterung oder wesentliche Verbesserung vorgenommen wurde. Mit Urteil vom 15.05.2013 hat der BFH konkretisiert, wann bei einem Gebäude eine Erweiterung vorliegt.

Eine Erweiterung ist demnach immer dann gegeben, wenn die „nutzbare Fläche“ vergrößert wird und sich dadurch die Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes erweitert haben.  Die nutzbare Fläche umfasst dabei nicht nur die Wohnfläche nach der Wohnflächenverordnung, sondern sämtliche Grundflächen eines Gebäudes. Eine tatsächliche oder konkret beabsichtigte Nutzung der neuen Flächen ist nicht erforderlich. Die theoretische Nutzungsmöglichkeit ist für eine Erweiterung ausreichend.

Nach diesen Grundsätzen lag im oben genannten Urteilsfall eine Erweiterung vor, weil ein Flachdach durch ein Satteldach ersetzt wurde und dabei ein Spitzboden entstand, der zwar nicht als Wohnraum oder überhaupt für den Aufenthalt von Personen geeignet war, aber als Speicher oder Abstellraum hätte genutzt werden können. Die entstandenen Kosten konnten nicht als sofort abzugsfähiger Erhaltungsaufwand sondern nur über die Abschreibungen berücksichtigt werden.

Praktikerhinweis:
Auch für den Einbau einer Dachgaube und für den Anbau von Balkonen oder eines Wintergartens hatte der BFH entschieden, dass es sich um Erweiterungen - und damit Herstellungskosten - handelt. Der Umfang der Maßnahme spielt dabei keine Rolle - auch bei nur geringfügigen Erweiterungen scheidet ein sofortiger Abzug aus.

Aufwendungen bis 4.000 EUR für die einzelne Baumaßnahme sind jedoch auf Antrag stets als Erhaltungsaufwand zu behandeln R 21.1 Abs. 2  EStR.

Fundstelle:
BFH vom 15.05.2013 - IX R 36/12 - DStR 2012 S. 1720

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