Helle Aufregung in der Steuerwelt

Haas - Steuernachrichten

Bloß keine "Stornierung" der alten Rechnung bei rückwärtsgerichteter Rechnungsberichtigung.

Ist das nun ein Problem oder nicht?

Zunächst würde ich hier zwischen Abwehrberatung und gestaltender Beratung unterscheiden:

1. Gestaltende Beratung

Liegen die Mindestangaben einer berichtigungsfähigen Rechnung vor, sollte grundsätzlich ein Auffüllungsschreiben mit Bezug zur ersten lückenhaften Rechnung erfolgen (§ 31 Abs. 5 UStDV).

Damit umgeht man das Risiko die ursprüngliche Rechnung ersatzlos aufzuheben und durch eine vollständige neue Rechnung zu ersetzen. Denn durch eine solche „Stornierung“ könnte die Rückwirkung zunichte gemacht werden (EuGH vom 29.04.2004 C-152/02 Terra Baubedarf-Handel).

2. Abwehrberatung

Im EuGH-Urteil vom 15.07.2010 C-368/09 Pannon Gép lief es wie folgt ab:

  • Dezember 2007: Rechnung mit unrichtigen Fertigstellungsdaten bei Renovierungsarbeiten an einer Brücke.
  • September 2008: Gutschriften, mit denen die fehlerhaften Rechnungen für ungültig erklärt wurden.
  • September 2008: Ersetzen der alten Rechnungen durch neue Rechnungen mit korrektem Fertigstellungsdatum.

In diesem Verfahren hat der EuGH die Korrektur einer unrichtigen Rechnung durch Neuausstellung und Stornierung der ursprünglichen Rechnung zugelassen. Demzufolge müsste auch eine Rechnungsstornierung und rückwärtsgerichtete Rechnungsberichtigung durch Neuausstellung ausreichen.

Praktikerhinweis
Es bleibt allerdings in beiden Fällen (Gestaltende und Abwehrberatung) dabei, dass eine „Vernichtung“ der alten Erstrechnung vermieden werden muss. Denn aus ihr ergibt sich, ob die Mindestangaben für eine berichtigungsfähige Rechnung vorlagen.

Fundstellen
BFH-Urteil vom 20.10.2016 V R 26/15, BFH/NV 2016 S. 2967

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