Handwerkerleistungen: Steuerermäßigung auch für Anliegerbeiträge

Einkommensteuer

Anliegerbeiträge für eine Straßenerneuerung sind als Handwerkerleistungen berücksichtigungsfähig. Nach einer Entscheidung des Finanzgerichts Nürnberg sind nicht nur Handwerkerleistungen begünstigt, die "in" einem Haushalt, sondern auch solche, die "für" einen Haushalt erbracht werden. Der Begriff "im Haushalt" ist räumlich-funktional auszulegen.

Aufwendungen für Handwerkerleistungen sind mit 20 %, höchstens 1.200 EUR im Jahr, direkt von der Einkommensteuerschuld abziehbar. Grundsätzlich sind Handwerkerleistungen zu berücksichtigen, die "in" einem Haushalt erbracht werden. Nach einer Entscheidung des Finanzgerichts Nürnberg ist der Begriff "im Haushalt" räumlich-funktional auszulegen. Daher können auch Handwerkerleistungen, die jenseits der Grundstücksgrenze auf fremdem Grund erbracht werden, begünstigt sein.

Im vorliegenden Fall hatten die Kläger Ausbaubeiträge einer Straße zu tragen, die unmittelbar vor deren Einfamilienhaus entlang führte. In ihrer Einkommensteuererklärung machten sie die Arbeitskosten dafür als Handwerkerleistung geltend. Das Finanzamt ließ die Arbeitskosten unberücksichtigt, da es bei Ausbauarbeiten einer Gemeindestraße an der erforderlichen Nähe zur Haushaltsführung des Steuerpflichtigen mangelt.

Das Finanzgericht Nürnberg hat zugunsten der Kläger entschieden. Danach stehen die Ausbaubeiträge für die Gemeindestraße in einem räumlich-funktionalen Zusammenhang mit dem Haushalt der Kläger, weil auch eine Zuwegung Teil einer ordentlichen Haushaltsführung ist. Nur wenn ein Grundstück an das öffentliche Wege- und Straßennetz angebunden ist, dann ist dort auch die Führung eines zeitgemäßen Haushalts möglich. Ohne Transportmöglichkeiten wären weder die Versorgung mit Gütern des täglichen Lebens noch die notwendigen Transporte der in diesem Haushalt lebenden Personen gewährleistet. Die Kläger können daher für den Lohnanteil der Ausbaubeiträge eine Steuerermäßigung geltend machen.

Die zugelassene Revision (VI R 45/45) wurde inzwischen eingelegt. In vergleichbaren Fällen sollten Sie Einspruch einlegen und Ruhen des Verfahrens beantragen. 

Fundstelle
Finanzgericht Nürnberg, Urteil vom 24.06.2015 7 K 1356/14, rechtskräftig

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