Häusliches Arbeitszimmer: Personenbezogene Ermittlung

Haas - Steuernachrichten

Nutzen mehrere Steuerpflichtige ein häusliches Arbeitszimmer, kann die Höchstbetragsgrenze von 1.250 EUR von jedem Steuerpflichtigen in voller Höhe in Anspruch genommen werden, sodass jeder von ihnen seine entsprechenden Aufwendungen bis zu dieser Obergrenze einkünftemindernd geltend machen kann.

Der BFH hat mit zwei Urteilen vom 15.12.2016 entschieden, dass die Höchstbetragsgrenze von 1.250 EUR für abziehbare Aufwendungen in Zusammenhang mit einem häuslichen Arbeitszimmer personenbezogen zu ermitteln ist. Damit weicht der BFH von seinem bisherigen Ermittlungsansatz ab. Der BFH ist bislang von einem objektbezogenen Abzug der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer ausgegangen. Die abziehbaren Aufwendungen waren unabhängig von der Zahl der nutzenden Personen auf 1.250 EUR begrenzt. Nun kann der Höchstbetrag von jedem Steuerpflichtigen in voller Höhe in Anspruch genommen werden, der das Arbeitszimmer nutzt, sofern dem Steuerpflichtigen für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Im ersten Fall (Az: VI R 53/12) nutzten die Kläger gemeinsam ein häusliches Arbeitszimmer in einem Einfamilienhaus, das ihnen jeweils zur Hälfte gehörte. Finanzamt und Finanzgericht erkannten die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer von jährlich ca. 2.800 EUR nur in Höhe von 1.250 EUR als Werbungskosten an und ordneten diesen Betrag den Klägern je zur Hälfte zu.

Der BFH hat die Vorentscheidung aufgehoben. Die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer sind in eingeschränktem Umfang als Werbungskosten bei ihren jeweiligen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit abziehbar. Dabei kann der jeweilige Höchstbetrag von beiden Steuerpflichtigen in Anspruch genommen werden, wenn für seine betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dies setzt wegen des Erfordernisses der (nahezu ausschließlich) betrieblichen/beruflichen Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers insbesondere auch voraus, dass dem jeweiligen Steuerpflichtigen in dem Arbeitszimmer ein eigener Arbeitsplatz in dem für ihre berufliche Tätigkeit konkret erforderlichen Umfang zur Verfügung. Der Abzug der Aufwendungen setzt bei jedem der betreffenden Steuerpflichtigen voraus, dass er die Erwerbsaufwendungen, die er einkünftemindernd geltend macht, selbst getragen hat.

Der BFH hat zudem klargestellt, dass die Kosten bei Ehegatten jedem Ehepartner grundsätzlich zur Hälfte zuzuordnen sind, wenn sie bei hälftigem Miteigentum ein häusliches Arbeitszimmer gemeinsam nutzen.

Im zweiten Fall (Az: VI R 86/13) hat der BFH betont, dass für den Abzug der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer feststehen muss, ob dort überhaupt eine Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen entfaltet wird und wenn ja, ob der Umfang der im Zimmer verrichteten Tätigkeiten zur Erzielung von Einnahmen es glaubhaft erscheinen lässt, dass der Steuerpflichtige hierfür ein häusliches Arbeitszimmer vorhält.    

Fundstelle
BFH Urteile vom 15.12.2016 VI R 53/12 und VI R 86/13 

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