Häusliches Arbeitszimmer eines Handelsvertreters

Einkommensteuer

Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer eines selbstständigen Handelsvertreters sind unbeschränkt als Betriebsausgabe abzugsfähig.

Voraussetzung: Der qualitative Schwerpunkt der Tätigkeit des selbstständigen Handelsvertreters befindet sich in seinem häuslichen Arbeitszimmer. Das Arbeitszimmer stellt somit seinen Tätigkeitsmittelpunkt dar.

Dies hat das Finanzgericht Münster entschieden.

Sachverhalt
Der Kläger ist als selbstständiger Handelsvertreter im Bereich des Wurst- und Käsevertriebs überregional tätig. Seine Arbeitszeit verbringt er jeweils hälftig mit Kundenbesuchen im gesamten Bundesgebiet sowie in seinem häuslichen Arbeitszimmer.

Die Finanzbehörde gewährt für das Arbeitszimmer lediglich einen Betriebsausgabenabzug i.H.v. 1.250 EUR. Das Arbeitszimmer bilde nicht den Tätigkeitsmittelpunkt. Der Tätigkeitsmittelpunkt liege im Außendienst.

Entscheidungen
Das Finanzgericht Münster hat nunmehr entschieden, dass das Arbeitszimmer des Klägers den qualitativen Schwerpunkt seiner Betätigung bilde. Der Kläger übe keine klassische Außendiensttätigkeit aus, in der lediglich vor- und nachbereitende Tätigkeiten im Arbeitszimmer vorgenommen werden. Die Reisetätigkeit sei nicht als Mittelpunkt seiner Tätigkeit anzusehen.

Die Hauptaufgabe des Klägers liege darin, den Überblick über das Bestellverhalten des jeweiligen Kunden zu behalten sowie eine individuelle Angebots- und Bedarfsermittlung vorzunehmen. Diese Aufgabe habe qualitativ ein höheres Gewicht als die Präsenz beim Kunden vor Ort.

Selbst die Akquise von Neukunden erfolge zunächst vom Arbeitszimmer aus. Diese Tätigkeiten des Klägers seien nicht lediglich als dem Außendienst dienende Tätigkeiten anzusehen.

Fundstelle
FG Münster, Urteil vom 05.03.2015 5 K 980/12 E

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