Gutachterkosten für Grundbesitzbewertung

Bewertungsgesetz und Erbschaftsteuer

Gutachterkosten für Grundbesitzbewertung sind stets Nachlassverbindlichkeiten.

Sachverhalt
Nobody (N) hat von seinem Onkel Otto (O) u.a. ein Grundstück geerbt. Im Rahmen des Verfahrens zur Feststellung des Grundbesitzwerts und Festsetzung der Erbschaftsteuer beauftragte er ein Sachverständigengutachten zur Grundbesitzbewertung, dessen Kosten von 2.600 EUR er als Nachlassverbindlichkeit gem. § 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG geltend machte. Das Finanzamt erkennt die Kosten unter Berufung auf HE 10.7 ErbStH nicht an. 

Ergebnis
Die Aufwendungen für die Erstellung eines Sachverständigengutachtens zum Nachweis des niedrigeren gemeinen Werts eines zum Nachlass gehörenden Grundstücks sind als Nachlassverbindlichkeiten abzugsfähig, wenn sie in engem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit dem Erwerb von Todes wegen anfallen. 

Begründung
1.   Gem. § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 1 ErbStG sind als Nachlassverbindlichkeiten u.a. die Kosten abzugsfähig, die dem Erwerber unmittelbar im Zusammenhang mit der Abwicklung, Regelung oder Verteilung des Nachlasses oder mit der Erlangung des Erwerbs entstehen.

Der Begriff der Nachlassregelungskosten ist grundsätzlich weit auszulegen. Hierzu gehören auch die Kosten für die Bewertung von Nachlassgegenständen, wenn sie in engem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit dem Erwerb von Todes wegen und nicht erst durch die spätere Verwaltung des Nachlasses, § 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 3 ErbStG, anfallen. Nachlassregelungskosten sind insbesondere Aufwendungen für die Erstellung eines Sachverständigengutachtens nach § 198 BewG zum Nachweis eines niedrigeren gemeinen Werts eines zum Nachlass gehörenden Grundstücks.

2.   Dies gilt auch, wenn die Gutachterkosten in einem steuerlichen Rechtsbehelfsverfahren anfallen.

Nach der dem § 10 Abs. 8 ErbStG zugrunde liegenden Wertung sind auch auf die einem Erwerber entstehenden Rechtsverfolgungskosten, die er zur Abwehr der von ihm zu entrichtenden Erbschaftsteuer aufwendet oder die mit den gesonderten Feststellungen der Grundbesitzwerte des zum Nachlass gehörenden Grundvermögens zusammenhängen, wie die Erbschaftsteuer selbst nicht abziehbar.

Bei den Kosten für die Bewertung von Nachlassgegenständen handelt es sich jedoch entgegen der Auffassung der Verwaltung nicht um Rechtsverfolgungskosten in diesem Sinne. 

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