Gründung einer Nachhilfe-GbR in den gemieteten Räumen einer Gesellschafterin

Sonstiges

Wie sind die steuerliche Aspekte bei der Gründung einer Nachhilfe-GbR in gemieteten Räumen eines Gesellschafters zu beurteilen?

Ein vermeintlich einfacher Fall, welcher bei näherer Betrachtung doch so manchen Fallstrick innehat:

Sachverhalt
Linda Riese und Beate Klein sind Lehrerinnen aus Leidenschaft. Bisher unterrichteten beide an einer Volkshochschule und nahmen zu Recht den Übungsleiterpauschbetrag in Anspruch. Die beiden beschließen, zukünftig selbstständig Nachhilfestunden an Kinder und Jugendliche zu geben. Hierzu mieten sie Unterrichtsräume (100 qm) an. Diese Räume stehen in dem Einfamilienhaus der Beate Klein zur Verfügung. Eigentümer des Einfamilienhauses sind die Eheleute Beate und Jürgen Klein jeweils zur ideellen Hälfte. Das Objekt mit einer Gesamtwohnfläche von 200 qm wurde von den Ehegatten vor 2 Jahren gemeinsam angeschafft.

Steuerliche Beurteilung aus der Sicht der GbR

1.   Umsatzsteuer 
Die Leistungen der GbR sind steuerbar. Es könnte jedoch eine Umsatzsteuerbefreiung nach § 4 Nr. 21 UStG in Betracht kommen. Voraussetzung hierzu wäre, dass die GbR eine Bildungseinrichtung i.S.d. A 4.21.2 Abs. 2 UStAE wäre und zusätzlich eine Bescheinigung der zuständigen Landesbehörde i.S.d. A 4.21.5 UStAE vorläge. Ferner sollte überprüft werden, ob die Kleinunternehmerregelung anwendbar und sinnvoll wäre.

2.   Ertragsteuer 
Der Übungsleiterfreibetrag nach § 3 Nr. 26 EStG i.H.v. 2.400 EUR p.a. entfällt, da die GbR keine Tätigkeit im Dienst oder im Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts oder einer Einrichtung zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger oder kirchlicher Zwecke erbringt.

Die Nachhilfe-GbR stellt steuerrechtlich eine Mitunternehmerschaft i.S.d. § 18 Abs. 4 EstG i.V.m. § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG dar. Die Einkünfte aus selbstständiger Arbeit nach § 18 EStG werden den Gesellschafterinnen im Rahmen der gesonderten und einheitlichen Gewinnfeststellung im Einkommensteuerveranlagungsverfahren zugerechnet.

Die gemieteten Unterrichtsräume, welche anteilig auf den ideellen Eigentumsanteil der Gesellschafterin Beate Klein entfallen, stellen zwingend Sonderbetriebsvermögen der GbR dar.

Exkurs: Betrieblich genutzte Grundstücksteile von sog. untergeordneten Wert brauchen nicht als Sonderbetriebsvermögen behandelt werden, R 4.2 Abs. 12 EStR. Ein untergeordneter Wert liegt dann vor, wenn der Wert nicht mehr als ein Fünftel des gemeinen Werts des gesamten Grundstücks und nicht mehr als 20.500 EUR beträgt, § 8 EStDV.

Dieses Wahlrecht findet wegen Überschreitens der genannten Größen im vorliegenden Fall keine Anwendung.

Das Vorliegen des Sonderbetriebsvermögens führt zwingend zu einem Einlagetatbestand in das Betriebsvermögen der GbR. Die Bewertung der Einlage erfolgt zum Teilwert, § 6 Abs. 1 Nr. 5 EStG. Grundsätzlich wäre die Einlage mit dem Teilwert zum Zeitpunkt der Zuführung zu bewerten. Da in unserem Fall das Objekt innerhalb der letzten 3 Jahre angeschafft wurde, ist die Einlage höchstens mit den fortgeführten Anschaffungskosten zu bewerten. 

Steuerliche Beurteilung aus der Sicht der Eheleute Beate und Jürgen Klein

1.   Jürgen Klein
Jürgen Klein erzielt Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung i.S.d. § 21 EStG. Der ihm zuzurechnende ideelle Eigentumsanteil an dem vermieteten Teil des Gebäudes stellt ertragsteuerliches Privatvermögen dar. Somit stellen 50 % der Mietzahlungen der GbR Einnahmen aus der Vermietung und Verpachtung dar. Gegenläufig kann er 50 % der gesamten grundstücksbezogenen Kosten (Zinsen, AfA, sonstige Grundstückskosten) als Werbungskosten geltend machen. Sofern eine Veräußerung der Immobilie innerhalb eines Zeitraumes von 10 Jahren erfolgen sollte, könnte auf den anteiligen vermieten Teil von Jürgen Klein ein Spekulationsgewinn i.S.d. § 23 EStG entstehen.

2.   Beate Klein
50 % der Mieteinnahmen, welche anteilig auf Beate Klein entfallen, stellen bei dieser Sonderbetriebseinnahmen dar. Demgegenüber kann Beate Klein 50 % der anteiligen Grundstückskosten als Sonderbetriebsausgaben geltend machen.

Des Weiteren muss festgestellt werden, dass das Sonderbetriebsvermögen von Beate Klein grundsätzlich zeitlich unbefristet steuerverstrickt ist. Kommt es zu einer Beendigung der GbR oder zu einem Verkauf der Immobilie, könnte ein rechnerischer Unterschiedsbetrag zwischen Teilwert oder Verkaufserlös und dem Buchwert zu erheblichen steuerlichen Mehrbelastungen führen.

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