Gemeinschaftsunterkunft bei der Bundeswehr

Haas - Steuernachrichten

Zuwendungen der Bundeswehr durch die kostenlose Zurverfügungstellung einer Gemeinschaftsunterkunft sind bei einem Zeitsoldaten neben den Aufwendungen für die Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte als Werbungskosten abziehbar, wenn er die Gemeinschaftsunterkunft ausschließlich für dienstliche Zwecke und nicht zum Wohnen am Beschäftigungsort nutzt.

Der Sachverhalt

Der Kläger in unserem ersten Fall ist ein Zeitsoldat, dem die Bundeswehr unentgeltlich eine Gemeinschaftsunterkunft in der Kaserne zur Verfügung stellte.

Er war zum Wohnen in der Gemeinschaftsunterkunft verpflichtet. Nach Dienstschluss hatte er jedoch Ausgang bis zum Wecken; er war also nicht zur Übernachtung in der Gemeinschaftsunterkunft verpflichtet. Er fuhr daher nach Dienstende immer nach Hause. Seine Unterkunft nutze er nur zur Aufbewahrung seiner Dienstkleidung und Ausrüstung.

In seiner Steuererklärung machte er Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte geltend, sowie Unterkunftskosten in Höhe des Sachbezugs für die Unterkunft. 

Das Finanzamt verstagte jedoch den Abzug der Unterkunftskosten

Das Urteil des BFH

Führen Zuwendungen des Arbeitgebers, durch die sich der Arbeitnehmer eigene Aufwendungen erspart, beim Arbeitnehmer zu steuerpflichtigen Einnahmen, können in Höhe der Zuwendungen abziehbare Werbungskosten vorliegen, wenn die Zahlungen durch den Arbeitnehmer zu abziehbaren Werbungskosten geführt hätten.

Im Streitfall stellte die Bundeswehr dem Kläger kostenlos eine Gemeinschaftsunterkunft in der Kaserne zur Verfügung. Beim Kläger wurde entsprechend ein geldwerter Vorteil als Sachbezug angesetzt und in Höhe der amtlichen Sachbezugswerte der Besteuerung unterworfen. 

In diesem Fall steht dem Kläger ein entsprechender Werbungskostenabzug zu, da er die Aufwendungen für die Gemeinschaftsunterkunft - wenn er sie selbst getragen hätte - gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG als Werbungskosten abziehen kann. Diese Aufwendungen waren auch beruflich veranlasst. Denn die Aufbewahrung der Uniform und der Ausrüstung des Klägers in der Kaserne standen ebenso wie das Anlegen bzw. der Wechsel der Uniform in objektivem Zusammenhang mit der Berufstätigkeit des Klägers als Soldat und dienten ihr auch subjektiv.

Eine doppelte Haushaltsführung lag hier mangels Übernachtung in der Kaserne nicht vor, so dass derartige Aufwendungen hier nicht geltend gemacht worden sind.

Fundstelle

BFH Urteil v. 28.04.2020 - VI R 5/18

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