Geldwerter Vorteil bei Arbeitnehmerrabatten

Einkommensteuer

Der angebotene Endpreis im Sinne des § 8 Abs. 3 EStG ist das letzte Angebot des Händlers und umfasst auch Rabattgewährungen.

Rabatte die üblicherweise auch fremden Dritten eingeräumt werden, begründen bei Arbeitnehmern keinen geldwerten Vorteil. Daher ist für die Ermittlung eines geldwerten Vorteils nach § 8 Abs. 3 EStG, der am Ende von Verkaufsverhandlungen als letztes Angebot des Händlers stehende Wert als Ausgangspunkt für die Berechnung zu berücksichtigen.

Insbesondere bei Neuwagenverkäufen und Jahreswagenverkäufen an Werksangehörige ist damit nicht vom um die Hälfte eines durchschnittlichen Rabatts gegenüber fremden Letztkunden geminderten Listenpreises auszugehen. Die 80 %, lt. BMF-Schreiben vom 01.01.2009, des durchschnittlichen Preisnachlasses beim Verkauf an fremde Letztverbraucher sind eine Vereinfachung.

BFH Urteile vom 26.07.2012 VI R 30/09 und VI R 27/11
Mit diesen Urteilen mindert der BFH die bisherige Berechnungsgrundlage des gelwerten Vorteils nach § 8 Abs. 3 EStG, die bis 31.12.2008 lt. BMF nur die Hälfte eines durchschnittliches Rabatts mindernd berücksichtigte. Auch die Kürzung des durchschnittlichen Rabatts um 3 % als Ergebnis individueller Preisverhandlungen lt. FG Baden-Württemberg, Urteil vom 09.07.2010 lässt der BFH nicht gelten. Die lt. BMF-Schreiben vom 18.12.2009, BStBl 2010 I S. 20 aus Vereinfachung vorgesehenen 80 % des durchschnittlichen Preisnachlasses gegenüber fremden Letztkunden geminderten Listenpreises sind damit überprüfbar. Mit dem Urteil VI R 27/11 wird dem Arbeitnehmer bei der Einkommensteuerveranlagung ein Wahlrecht zur Bewertung des geldwerten Vorteils nach § 8 Abs. 2 EStG oder § 8 Abs. 3 EStG eingeräumt.

Für die Praxis ergeben sich folgende Berechnungsmöglichkeiten des geldwerten Vorteils: 

  1. Berechnung nach § 8 Abs. 2 EStG als Differenz zum Vergleichspreis am Markt. Vergleichspreis ist dabei der günstigste Preis am Markt, BFH-Urteil vom 17.08.2005 IX R 10/05, BStBl 2006 II S. 71.
  2. Berechnung nach § 8 Abs. 3 EStG als Differenz zum gegenüber dem durchschnittlichen Letztkunden geminderten Listenpreis (tatsächlicher Durchschnittsrabatt) abzgl. weiterer 4 % Rabattabschlag und Berücksichtigung des Rabattfreibetrages von 1.080 EUR.

Beispiel:

 

          EUR

Listenpreis (brutto)

      36.000

Durchschnittlicher tatsächlicher Rabatt 9 %

./.    3.240

Endpreis Letztkunden am Abgabeort

      32.760

Rabattabschlag 4 % gem. § 8 Abs. 3 EStG

./.    1.310

Vergleichswert § 8 Abs. 3 EStG

      31.450

Verkaufspreis an Arbeitnehmer (brutto)

      30.000

Differenz zum Vergleichswert

       1.450

Freibetrag je Kalenderjahr § 8 Abs. 3 Satz 2 EStG

       1.080

Zu versteuernder geldwerter Vorteil

         370

Nach dem Urteil ist die Vereinfachung des BMF nur 80 % des durchschnittlichen Rabatts zu berücksichtigen auf 100 % im Einkommensteuerveranlagungsverfahren ermöglicht worden.

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