Gehört die erst nach dem 10. Januar fällige Umsatzsteuervorauszahlung vielleicht doch zum Vorjahr?

Einkommensteuer

Eine erst nach dem 10. Januar fällige Umsatzsteuervorauszahlung - weil der 10. Januar auf einen Samstag oder Sonntag fällt - kann als regelmäßig wiederkehrende Betriebsausgabe im "alten Jahr" berücksichtigt werden, wenn die Zahlung tatsächlich vor dem 10. Januar erfolgt.

Regelmäßig wiederkehrende Ausgaben, die dem Steuerpflichtigen kurze Zeit vor oder kurze Zeit nach Beendigung des Kalenderjahres, zu dem sie wirtschaftlich gehören, abgeflossen sind, gelten als in diesem Kalenderjahr angefallen.

Als "kurze Zeit" gilt ein Zeitraum von bis zu 10 Tagen.

Umsatzsteuervorauszahlungen sind bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG regelmäßig wiederkehrende Ausgaben i.S.d. § 11 Abs. 2 Satz 2 EStG.

Verschiebt sich die Fälligkeit einer am 10. Januar fälligen Umsatzsteuervorauszahlung (hier: Umsatzsteuervoranmeldung Dezember 2014) nach § 108 Abs. 3 AO auf den nächstfolgenden Werktag, weil der 10. Januar ein Samstag oder Sonntag ist, und liegt der gesetzliche Fälligkeitstag deswegen außerhalb des 10-Tageszeitraums, hat der Unternehmer die Umsatzsteuerzahlung aber bereits vor dem 10. Januar überwiesen, so kann er nach § 11 Abs. 2 Satz 2 EStG die Zahlung noch für das "alte" Jahr, zu dem sie auch wirtschaftlich gehört, als Betriebsausgabe abziehen.

Im Wege teleologischer Reduktion ist die Norm des § 108 Abs. 3 AO im Rahmen der Prüfung, ob die Voraussetzungen des § 11 Abs. 2 Satz 2 EStG vorliegen, nicht anwendbar.

Die Revision wurde nicht zugelassen. Dagegen wurde aber Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt. Deshalb sollten relevante Fälle offengehalten werden.      

Fundstelle
Thüringer FG, Urteil vom 27.01.2016 3 K 791/15, Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt BFH X B 90/16

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