Freiberuflich oder gewerblich – eine nicht immer einfache Abgrenzung

Haas - Steuernachrichten

Ob jemand freiberuflich oder gewerblich tätig ist, ist in einigen Fällen gar nicht so leicht zu beurteilen. Der BFH hat sich mit 2 Sachverhalten auseinandergesetzt.

1. Rentenberater

R hatte seine Einnahmen/Ausgaben als Rentenberater als Einkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit angegeben. Der BFH entschied jetzt: Hierbei handelt es sich um gewerbliche Einkünfte. Die Tätigkeit des Rentenberaters ist weder als Katalogberuf, noch als die einem Katalogberuf ähnliche Tätigkeit i. S. v. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG einzustufen. Darüber hinaus liegt auch keine selbstständige Tätigkeit (hier: Vermögensverwaltung) nach § 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG vor. Insbesondere die angebrachte Vergleichbarkeit mit dem Beruf des Rechtsanwalts oder des Steuerberaters scheidet schon aufgrund der Ausbildung aus. Die Ausbildung des R zum Rentenberater ist in keiner Weise mit der Ausbildung zum Rechtsanwalt oder Steuerberater zu vergleichen.

2. Heileurythmist

Im Urteilsfall besitzt TH nach vierjähriger Ausbildung in der Eurythmie (anthroposophische Tanzkunst) das Diplom für Eurythmie des Instituts für Waldorfpädagogik. Im Streitjahr 2011 erklärte TH Einkünfte aus selbstständiger Arbeit mit der Begründung, er übe eine dem Katalogberuf Krankengymnasten ähnliche Tätigkeit aus. Das Finanzamt und das Niedersächsische Finanzgericht waren der Meinung es liegen gewerbliche Einkünfte vor. Der BFH hat jetzt entschieden: Die Tätigkeit eines Heileurythmisten ist eine dem Krankengymnasten/ Physiotherapeuten ähnliche freiberufliche Tätigkeit i. S. v. § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG.

Fundstelle
BFH vom 07.05.2019, VIII R 2/16, VIII R 26/16, DStR 2019, 1732
BFH vom 20.11.2018, VIII R 26/15

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