Fondsdepot oder Fondspolice – die (steuerlichen) Unterschiede (Investmentsteuerreformgesetz)

Haas - Steuernachrichten

Umfragen belegen immer wieder, dass die Deutschen primär auf Produkte wie Sparbuch, Tagesgeld, Bausparen und Lebensversicherungen setzen, wenn es darum geht, sein Geld anzulegen. Und das, obwohl mittlerweile bekannt sein sollte, dass diese Art von „Geldanlagen“ keine nennenswerten Renditen erzielen und daher für Vermögenszuwachs nicht geeignet sind.

Also ist es zwingend nötig, sein Geld auch in Wertpapiere – am Einfachsten über Fonds (sinnvollerweise Anlageklassenfonds und ETF) – zu investieren, damit beispielweise beim Renteneintritt nicht das böse Erwachen kommt. Die Voraussetzung sein Geld am Kapitalmarkt anzulegen ist natürlich, dass man eine Kapitalrücklage von 3 bis 12 Monatsausgaben gebildet hat und das geplante Investment mindestens 10 Jahre arbeiten kann.

Die mit Fonds erstellte Anlagestrategie kann man entweder in einem Fondsdepot oder in einer Fondspolice (provisionsfreie Lebens-/Rentenversicherung) umsetzen. Neben den „weichen“ Faktoren, die aus der untenstehenden Tabelle zu entnehmen sind, gibt es durch die Investmentsteuerreform aus dem Jahr 2018 auch steuerliche Unterschiede, auf die nachfolgend eingegangen wird.

Wenngleich die Investmentsteuerreform für Einfachheit sorgen sollte, so wirken die Rechenwege doch etwas komplizierter als vorher. Neben der Besteuerung auf Fondsebene i.H.v. 15% für inländisch erzielte Dividenden und Immobilienerträge, wurden sog. Teilfreistellungen eingeführt (siehe Tabelle), damit sich die Besteuerung auf Fondsebene bei dem Anleger nicht so stark bemerkbar macht. Auch gibt es nun eine sog. Vorabpauschale, damit ausschüttende und thesaurierende (wiederanlegende) Fonds einfacher behandelt werden. Die Vorabpauschale gilt nur für das Fondsdepot und berechnet sich wie folgt:

Basisertrag* – Ausschüttung = Vorabpauschale
(*70 % des Basiszinses x Rücknahmepreis des Fondsanteils des Vorjahres)

Die Vorabpauschale fällt, wie bereits erwähnt, nur bei einem Fondsdepot und auch erst oberhalb des Sparpauschbetrages (801 EUR bzw. 1602 EUR) an, wenn das Rechenergebnis der o.g. Formel positiv ist. Je nach Bank wird diese entweder aus dem Fondsvermögen entnommen oder von dem hinterlegten Girokonto eingezogen.

Wie sich die steuerliche Auswirkung bei einer Fondsveräußerung darstellt, zeigt das folgende Berechnungsbeispiel.

Parameter

Kaufpreis der Anteile am 01.01.2018 100,00 EUR
Rücknahmepreis der Anteile am 31.12.2018 105,00 EUR
Veräußerungspreis der Anteile am 15.01.2019 107,00 EUR
Basiszins 1 %
Vorabpauschale 70 % x 1 % x 100,00 EUR 0,70 EUR
Teilfreistellung (Aktienfonds) 30 %

 

Rechenweg

Veräußerungspreis 107,00 EUR
- Anschaffungskosten 100,00 EUR
Unbereinigter Veräußerungsgewinn 7,00 EUR
- Vorabpauschale für 2018 0,70 EUR
Veräußerungsgewinn 6,30 EUR
- Teilfreistellung 30 % 1,89 EUR
Steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn 4,41 EUR
- Abgeltungssteuer 25 % 1,11 EUR
Nettogewinn 5,89 EUR

 

Bei Fondspolicen fällt in der Ansparphase keine Abgeltungssteuer und demnach keine Vorabpauschale an, wenn die 12/62 Regel erfüllt wird. Die Teilfreistellung beträgt über alle Fondsarten hinweg pauschal 15 %. Wie sich die Steuerlast einer Kapitalauszahlung aus einer Police bei Abschluss nach 01.01.2018 berechnet, zeigt die nächste Berechnung.

 

Ablaufleistung 100.000 EUR
- eingezahlte Beträge 50.000 EUR
Ertrag* 50.000 EUR
-Teilfreistellung von 15 % 7.500 EUR
Steuerpflichtiger Ertrag 42.500 EUR

 

*ggf. nur hälftig wg. Halbeinkünfteverfahren

 

Merkmal Fondspolice Fondsdepot
Transparenz gut sehr gut
Auszahlungsmodalität Kapital oder lebenslange Rente Kapital oder Auszahlplan
Steuerliche Teilfreistellung der Fonds 15 % pauschal für alle Fondsarten

30 % Aktienfonds
15 % Mischfonds
60 % inländ. Immobilienfonds
80% ausländ. Immobilienfonds

Besteuerung Sparphase nein ja, Abgeltungssteuer oberhalb des Sparerpauschbetrags
Besteuerung Rentenphase Ertragsanteilbesteuerung Abgeltungssteuer
Besteuerung Kapitalauszahlung Halbeinkünfteverfahren bei 12/62 Regel Abgeltungssteuer
automatisiertes Rebalancing ja, abhängig von Gesellschaft ja, abhängig von Depotbank
Transaktionskosten Rebalancing nein ja
Transaktionskosten Sparplan nein ja
Transaktionskosten Einmalanlage nein ja
Versicherungskosten ja nein
Kosten bei Vertragsänderungen ja nein
Beitragsbefreiung bei BU optional nein
staatliche Förderung (z. B. Riester und Rürup) optional nein
Verfügbarkeit jederzeit, ausgenommen staatlich geförderte Produkte je nach Tarif muss ein Mindestkapital im Vertrag verbleiben jederzeit
Sondervermögen ja, jedoch des Versicherers. Versicherte sollen im Insolvenzfall des Versicherers vorrangig behandelt werden. ja

 

Allerdings sollte bei einer Geldanlage nicht die steuerliche Behandlung, die sich ohnehin nur schwer prognostizieren lässt, allein im Fokus stehen, sondern alle Parameter in Gänze betrachtet werden. Weiterhin ist das Fondsdepot meist am kostengünstigsten und das Fondsvermögen ist stets Eigentum des Anlegers im Insolvenzfall der Bank oder Fondsgesellschaft. Bei einer Versicherung hingegen ist es wegen den Versicherungskosten etwas teurer und schmälert allein schon deshalb die Rentabilität. Ein Risiko besteht zusätzlich, dass im Insolvenzfall des Versicherers das Fondsvermögen sein Eigentum und nicht des Anlegers ist.

Zum Autor:

Stefan Kemmler ist Geschäftsführer der RHEINPLAN GmbH (www.rheinplan.finance) aus Köln. Sein Unternehmen gehört zu den aktuell knapp 160 Honorar-Finanzanlagenberatern in ganz Deutschland. Honorar-Finanzanlagenberater erhalten weder Provisionen noch sonstige Zuwendungen. Dies ist gesetzlich garantiert und sorgt somit für maximale Kundenorientierung. 

Ein Hinweis zum Schluss:
Dieser Text ist nicht als verbindliche Rechtsauskunft zu verstehen, sondern enthält die persönliche Meinung des Autors.

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