Förderung alternativer Wohnformen

Haas - Steuernachrichten

Das Jahressteuergesetz 2019 sieht die Förderung alternativer Wohnformen durch eine Steuerbefreiung vor.

In Zeiten von Mangel an bezahlbarem Wohnraum und damit einhergehender Wohnungsnot soll eine Steuerbefreiung dem Zweck der Förderung alternativer Wohnformen dienen.

Die Wohnung/Unterkunft und die übliche Verpflegung des Wohnraumnehmers sowie die Vorteile des Wohnraumgebers durch die Leistungen des Wohnraumnehmers (z. B. Hilfe im Alltag) sollen steuerfrei gestellt werden. Das sieht der § 3 Nr. 49 EStG-E vor. Voraussetzung ist, dass das weitere vom Wohnraumgeber gewährte Arbeitsentgelt einen Betrag von 450 EUR/monatlich nicht übersteigt (§ 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV) und die zur Verfügung gestellte Unterkunft oder Wohnung im räumlichen Zusammenhang mit der Wohnung des Wohnraumgebers steht. Hierunter fällt also beispielsweise auch das Konzept „Wohnen für Hilfe“. Bezieht also ein Student ein Zimmer bei Oma Gerda um die Ecke und hilft ihr für die Zurverfügungstellung des Zimmers bei alltäglichen Dingen wie einkaufen, putzen etc. sind sowohl das Zimmer und die Verpflegung, die Oma Gerda dem Studenten anbietet, als auch die Hilfe des Studenten an Oma Gerda nach § 3 Nr. 49 EStG-E steuerfrei.

Fraglich ist noch die umsatzsteuerliche Behandlung. Denn der Student z. B. erbringt ja eine steuerbare Leistung. Eine Steuerbefreiungsvorschrift findet sich für diese Hilfeleistungen im Umsatzsteuergesetz nicht. Ist seine Leistung also umsatzsteuerpflichtig? Sicherlich würde hier die Kleinunternehmerregelung greifen. Was ist jetzt aber, wenn der Student nebenbei ein Start-Up hat und dort bereits Umsätze oberhalb der Umsatzgrenze für Kleinunternehmer von 17.500 EUR erzielt? Dann würde er mit den Hilfeleistungen an Oma Gerda steuerpflichtige Leistungen ausführen mit allen bekannten Konsequenzen. Hier bleibt abzuwarten, wie derartige Konzepte umsatzsteuerlich zu würdigen sind.

Fundstelle

Regierungsentwurf zum Jahressteuergesetz 2019, 31.07.2019

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