Fahrtkosten bei den Einkünften aus Vermietung in voller Höhe abzugsfähig

Einkommensteuer

Vermieter können Fahrtkosten zum Vermietungsobjekt bei den Einkünften aus Vermietung grundsätzlich mit einer Pauschale von 0,30 EUR für jeden gefahrenen Kilometer berücksichtigen. Ist jedoch der Mittelpunkt der Vermietungstätigkeit am Vermietungsobjekt, ist nur die Entfernungspauschale anzusetzen.

Gem. § 9 Abs. 3 EStG ist § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG auch im Rahmen der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung anzuwenden. Danach gilt, dass Steuerpflichtige, die im Rahmen ihrer Vermietungstätigkeit außerhalb ihrer Wohnung eine regelmäßige Tätigkeitsstätte begründet haben, die Fahrtkosten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte nur mit der Entfernungspauschale geltend machen können.

Im Streitfall erzielten die Kläger Einnahmen aus der Vermietung mehrerer Vermietungsobjekte. Sie sanierten mehrere Wohnungen und ein Mehrfamilienhaus und suchten in diesem Zusammenhang die Baustellen 165-mal bzw. 215-mal im Jahr auf. Für die entstandenen Fahrtkosten machten sie anhand eines ordnungsgemäß geführten Fahrtenbuches in ihrer Einkommensteuererklärung 7.422,81 EUR geltend. Das Finanzamt ist jedoch der Auffassung, dass die Kläger am Ort der Vermietungsobjekte ihre regelmäßige Tätigkeitsstätte haben und begründet dies mit der ungewöhnlich hohen Anzahl an Fahrten.

Insofern sind die Fahrtkosten nach Meinung des Finanzamtes nur in Höhe der Entfernungspauschale gem. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4, Abs. 3 EStG (0,30 EUR je Entfernungskilometer) abziehbar. Dem folgt auch der Bundesfinanzhof (BFH). Die Richter des BFH führen hierzu weiter aus, dass die Abzugsbeschränkung auf die Entfernungspauschale auch im Rahmen der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung gilt. Sofern im Zusammenhang mit der Vermietungstätigkeit außerhalb der Wohnung eine regelmäßige Tätigkeitsstätte begründet wird, können die Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte nur mit der Entfernungspauschale geltend gemacht werden.

Eine regelmäßige Tätigkeitsstätte ist dann anzunehmen, wenn das Vermietungsobjekt - vergleichbar mit der regelmäßigen Arbeitsstätte des Arbeitnehmers - der ortsgebundene Mittelpunkt der dauerhaft und auf Überschusserzielung angelegten Vermietungstätigkeit des Vermieters ist. Dabei ist zu berücksichtigen, welche Tätigkeiten der Vermieter an den Vermietungsobjekten im Einzelnen ausübt und welches konkrete Gewicht diesen Tätigkeiten zukommt. Das regelmäßige Aufsuchen des Objekts nur zu Kontrollzwecken oder zur Ablesung von Zählerständen ist nicht ausreichend. Es ist vielmehr eine gewisse Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit der Tätigkeit am Vermietungsobjekt erforderlich.

Die Schlussfolgerung des Finanzgerichts, dass bei insgesamt 380 Fahrten innerhalb eines Jahres zu den beiden Vermietungsobjekten der ortsgebundene Mittelpunkt der verrichteten Tätigkeiten im Rahmen der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung an den Vermietungsobjekten liegt, ist daher nicht zu beanstanden.

Hinweis
Die Entscheidung des BFH betraf noch die alte Rechtslage vor der Reform des steuerlichen Reisekostenrechts. Sie ist aber auf die Rechtslage ab dem 01.01.2014 übertragbar. 

Fundstelle
BFH-Urteil vom 01.12.2015 IX R 18/15, veröffentlicht am 20.04.2016

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