Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb eines Selbständigen

Haas - Steuernachrichten

Wenn zwei das Gleiche tun, ist es doch nicht immer dasselbe! Jedenfalls gilt das für die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb bzw. erster Tätigkeitsstätte. Bei Arbeitnehmern ist eine Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten zulässig. Bei Selbständigen ist nur die pauschale Berechnung möglich.

Fahrten eines Gewinnermittlers zwischen Wohnung und Betriebsstätte zählen zu den betrieblichen Fahrten. Die mit diesen Fahrten im Zusammenhang stehenden Aufwendungen sind allerdings nicht unbegrenzt als Betriebsausgabe abzugsfähig.

Wird die private Nutzung des PKW nach der 1 % -Regelung berechnet so ist für die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb zu berechnen, ob sich ein positiver Unterschiedsbetrag zwischen 0,03 % des inländischen Listenpreises und der Entfernungspauschale ergibt. Der sich ergebende Betrag ist als nichtabzugsfähige Betriebsausgabe zu erfassen.

Beispiel:

Die Steuerberaterin fährt mit ihrem PKW zu ihrer 30 km entfernt liegenden Kanzlei – an 85 Tagen im Jahr. Der Listenpreis beträgt 35.000 EUR.

Der Unterschiedsbetrag ermittelt sich wie folgt:

 

0,03 % von 35.000 EUR x 30 km x 12 Monate= 3.780 EUR
Abzüglich Entfernungspauschale
85 Tage x 30 km x 0,30 EUR= 765 EUR
3.015 EUR

Der Berechnung mit 0,03 % liegen 15 Tage pro Monat zugrunde. Bei Arbeitnehmern kann eine Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten vorgenommen werden.

Dabei würde sich folgende Berechnung ergeben:

0,002 % x 85 Tage x 35.000 EUR x 30 km = 1.785 EUR – abzüglich Entfernungspauschale.

Der BFH hatte nun darüber zu entscheiden ob diese Einzelbewertung auch bei Selbständigen zulässig ist – und hat es abgelehnt!

Er hält eine unterschiedliche Behandlung bei Arbeitnehmern und Selbständigen für gerechtfertigt und begründet es damit, dass Nachteile durch das Führen eines Fahrtenbuches vermieden werden können.

Fazit:

Bei Unternehmern ist nur die eine Berechnung mit 0,03 % des Listenpreises möglich. Eine Berechnung nach den tatsächlichen Fahrten akzeptiert der BFH nicht.

Fundstelle

BFH Urteil vom 12.06.2018 VIII R 14/15

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