Esoterikseminar von Heilerin nicht umsatzsteuerfrei

Heilbehandlungen im Sinne des Umsatzsteuerrechts sind von der Umsatzsteuer befreit. So werden zum Beispiel Tätigkeiten eines Heilpraktikers oder einer Heilpraktikerin eingeordnet. Führt eine "Geistheilerin" jedoch Seminare durch, in denen sie "mentale Rückenbegradigung", spirituelle Therapien, Reiki- und Lichtgrad-Einweihungen anbietet, wobei sie hauptsächlich durch "Handauflegen" und Heilgebete tätig wird, ist das damit nicht vergleichbar. Ihre Seminare sind im Inland steuerpflichtig.

Eine Geistesheilerin aus der Schweiz bot im Inland solche Seminare an, ohne ihre Umsätze zu erklären. Sie gab dem Finanzamt gegenüber an, dass sie umsatzsteuerfreie Tätigkeiten ausführe. Ihre Tätigkeit ähnele der eines Heilpraktikers. Das Gericht gab ihr mit dieser Einschätzung jedoch kein Recht.

Für die erforderliche steuerbefreite Heilbehandlung müsste die Heilerin zumindest arztähnliche Leistungen erbringen, für die eine Qualifikation erforderlich ist. Nach Aussage der Heilerin beruhe ihre Behandlung jedoch auf Talent und nicht auf einer Ausbildung. Zudem konnte kein therapeutischer Zweck der Behandlung dargelegt werden und es wurden von ihr keine Diagnosen erstellt. Im Ganzen erwecken ihre Seminare nicht den Eindruck, einen therapeutischen Zweck zu verfolgen, zumal Teilnehmer teilweise nur zur Steigerung ihres allgemeinen Wohlbefindens teilnahmen. Damit sind ihre Seminare umsatzsteuerpflichtig.

Fundstelle
Finanzgericht Stuttgart, Urteil vom 06.07.2016 14 K 1338/15

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