Ergänzungsbilanz - BMF nimmt Stellung zu AfA für bewegliche Wirtschaftsgüter

Haas - Steuernachrichten

Ist eine Ergänzungsbilanz aufgrund Gesellschafterwechsels aufzustellen, sind die gesamten Anschaffungskosten eines Wirtschaftsguts auf die im Zeitpunkt des Anteilswechsels verbleibende Restnutzungsdauer zu verteilen. Ein aktuelles BMF-Schreiben nimmt Stellung zur Berechnung der AfA.

Ist anlässlich eines Gesellschafterwechsels eine positive Ergänzungsbilanz aufzustellen, muss die Abschreibungshöhe für abnutzbare Wirtschaftsgüter zum Zeitpunkt der Anteilsübertragung neu ermittelt werden.

Aufgrund des BFH-Urteils vom 20.11.2014 nimmt das BMF jetzt in einem aktuellen Schreiben Stellung zur Berechnung des Abschreibungsbetrags und führt 2 Beispiele zur Verdeutlichung an.

Bei einem Einzelunternehmer bemisst sich die Abschreibungshöhe eines beweglichen Wirtschaftsguts gem. § 7 EStG nach dessen Anschaffungskosten. Gleiches muss auch bei einem Anteilserwerb an einer Mitunternehmerschaft gelten. Hier setzen sich die Anschaffungskosten aus dem auf den Gesellschafter anteilig entfallenden Buchwert des Wirtschaftsguts in der Gesamthandsbilanz und den erworbenen und in der Ergänzungsbilanz ausgewiesenen stillen Reserven zusammen. Diese gesamten Anschaffungskosten sind durch die Restnutzungsdauer des einzelnen Wirtschaftsguts zu dividieren.

Nach Ansicht des BFH bleibt die Abschreibungshöhe in der Gesamthandsbilanz unverändert; von diesem AfA-Betrag wird die neu ermittelte gesamte AfA subtrahiert und der verbleibende Rest bildet die in der Ergänzungsbilanz anzusetzende Abschreibung auf den erworbenen Mehrwert. Diese Regelung ist nicht auf die Einbringungsvorgänge des § 24 UmwStG anzuwenden.

Beispiel gemäß BMF
A erwirbt am 01.01.01 zum Preis von 35.000 EUR einen 50%-igen Mitunternehmeranteil an einer KG, zu deren Betriebsvermögen ausschließlich ein abnutzbares Wirtschaftsgut mit einem Buchwert von 20.000 EUR gehört (ursprüngliche AK 100.000 EUR, bisher linear auf eine Nutzungsdauer von 10 Jahren abgeschrieben, d.h. jährlicher Abschreibungsbetrag 10.000 EUR). Im Zeitpunkt des Erwerbs des Mitunternehmeranteils beträgt die Nutzungsdauer für das gebrauchte Wirtschaftsgut noch 5 Jahre. In einer Ergänzungsbilanz des A auf den Erwerbszeitpunkt ist ein Mehrbetrag von 25.000 EUR (Kaufpreis 35.000 EUR ./. anteiliger Buchwert 10.000 EUR) auszuweisen. 

Lösung
A hat Anschaffungskosten i.H.v. 35.000 EUR für den Erwerb des Anteils an dem Wirtschaftsgut aufgewendet, wovon 10.000 EUR in der Gesellschaftsbilanz und 25.000 EUR in der Ergänzungsbilanz auszuweisen sind. Der AfA-Anteil des A gesamt:

AK gesamt 35.000 EUR x 1/5 = 7.000 EUR

Bereits in der Gesellschaftsbilanz berücksichtigte AfA:
(1/2 von 10.000 EUR) = ./. 5.000 EUR 
Noch in der Ergänzungsbilanz zu berücksichtigende AfA i.H.v. 2.000 EUR.

Hinweis
Es ist auch eine Minder-AfA trotz positiver Ergänzungsbilanz möglich.

Fundstelle
BMF-Schreiben vom 19.12.2016 IV C 6 - S 2241/15/10005 

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