Einkünfte eines EDV-Beraters ohne (Fach-)Hochschulabschluss: Freiberuflich oder gewerblich?

Einkommensteuer

Die Tätigkeit eines EDV-Beraters ohne (Fach-) Hochschulabschluss im Fach Informatik ist nur als ingenieurähnlich und damit als freiberuflich zu qualifizieren, wenn er nachweisen kann, dass er sich das Wissen eines Informatikers mit Bachelorabschluss auf andere Weise angeeignet hat.

Im vorliegenden Fall hatte das FG Hamburg zu entscheiden, ob die Tätigkeit eines EDV-Beraters ohne (Fach-)Hochschulabschluss (Kläger) als ingenieurähnlich und damit als freiberuflich oder als gewerblich zu qualifizieren ist.

Der Kläger war an einer Universität im Studienfach Informatik eingeschrieben und hat an verschiedenen Lehrveranstaltungen teilgenommen. Er beendete sein Studium allerdings ohne zur Diplom-Vorprüfung zugelassen worden zu sein. Seit 2005 betreibt er als Einzelunternehmer eine EDV-Beratung und erbringt für seine Kunden Leistungen, wie "Support-Dienstleistung", "Fernwartung" oder "Installationsvorbereitung Datev". Für 2010 reichte der Kläger die Einkommen- und die Gewerbesteuererklärung ein und erklärte hierin Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Das Finanzamt (Beklagte) erließ erklärungsgemäß den Gewerbesteuerbescheid für 2010 und setzte im Einkommensteuerbescheid die Einkommensteuer unter Berücksichtigung der Steuerermäßigung für gewerbliche Einkünfte fest. Gegen die Bescheide legte der Kläger Einspruch ein und begründete, dass er Einkünfte aus selbständiger Arbeit erziele, da er seit 2005 als Ingenieur und Systemanalytiker in der Informationstechnik tätig sei. Das Studium habe er zwar abgebrochen, er habe sich aber die entsprechenden Kenntnisse als Autodidakt angeeignet und nach einer Fortbildung das Zertifikat "Microsoft Certified Systems Engineer" (MCSE) erhalten. Das FA wies die Einsprüche mit der Begründung zurück, dass der Kläger nicht nachgewiesen habe, dass er sich das Wissen eines Diplom-Informatikers in vergleichbarer Breite und Tiefe auf andere Weise als durch ein Studium angeeignet habe.

Das FG führte in seinen Gründen aus, dass nach ständiger BFH-Rechtsprechung ein Diplom-Informatiker einen ingenieurähnlichen Beruf i.S.d. § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG ausübt, weil seine Tätigkeit durch Wahrnehmung von den für den Ingenieurberuf typischen Aufgaben geprägt wird und das Studium der Informatik an einer (Fach-)Hochschule dem der traditionellen Ingenieurwissenschaften gleichwertig ist, auch wenn das Ingenieurstudium im Grundsatz allgemeiner ist. Verfügt der Steuerpflichtige nicht über eine entsprechende Hochschulausbildung, muss er nachweisen, dass er sich das Wissen eines Diplom-Informatikers in vergleichbarer Breite und Tiefe auf andere Weise im Wege der Fortbildung und/oder des Selbststudiums oder ggf. anhand eigener praktischer Arbeiten angeeignet hat. Dazu kann auch eine Wissensprüfung durch einen Sachverständigen abgenommen werden. Grundsätzlich trägt der Steuerpflichtige die Feststellungslast für das Vorliegen eines freien Berufs.

Im vorliegenden Fall wurden die Kenntnisse des Klägers im Rahmen der Wissensprüfung in elf von zwölf Modulen als nicht ausreichend bewertet. Die Tätigkeit des Klägers ist daher als gewerblich zu qualifizieren.    

Fundstelle
FG Hamburg, Urteil vom 14.07.2015 3 K 207/14
Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt, Az des BFH VIII B 80/15

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