Eigenkapital ist kein berichtigungsfähiger Bilanzposten

Haas - Steuernachrichten

Können vergesse Kosten aus dem Vorjahr durch Buchung als Privateinlage im laufenden Jahr berücksichtigt werden?

Soweit reicht der Grundsatz des formellen Bilanzenzusammenhangs nicht. Es liegt kein fehlerhafter Bilanzansatz im Eigenkapitalbereich vor.

Bilanzierungsfehler sind grundsätzlich und vorranging in der Bilanz des Wirtschaftsjahres zu berichtigen, in dem es zu der fehlerhaften Bilanzierung gekommen ist. Liegt für dieses Jahr bereits ein endgültiger Steuerbescheid vor, so ist der unrichtige Bilanzansatz in der ersten offenen Schlussbilanz richtig zu stellen.

Kann ich so auch eine Kosteneinlage buchen und die vergessenen Aufwendungen aus dem Vorjahr nachträglich geltend machen? 

Denn ein falscher Ausweis einer Einlage liegt vor und auch der Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag ist nicht in richtiger Höhe ausgewiesen, somit ist die Position des Eigenkapitals in der Bilanz betroffen. Die Grundsätze des formellen Bilanzenzusammenhangs können hier keine Grundlage dafür sein, einen im Vorjahr zu Unrecht unterbliebenen Ausweis einer Einlage nachzuholen. Eine so weitgehende Außerachtlassung der richtigen zeitlichen Zuordnung des ermittelten Gewinns ist nicht mit dem Grundsatz des formellen Bilanzenzusammenhangs zu begründen, so der BFH. Die Kosten können nicht nachträglich berücksichtigt werden. 

Aber Achtung: 
Wenn dieser Aufwand einen Aktivposten oder auch Passivposten, wie Verbindlichkeiten betreffen sollte, könnte hier ggf. ein fehlerhafter Bilanzansatz vorliegen.

Fundstelle

BFH-Urteil vom 17.06.2019 IV R 19/16

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